Libyen: Die Freiheit ist auch feminin

Länder: Libyen

Tags: Frauen

Die meisten Frauen spielten in der Revolte des libyschen Volkes gegen ihren Diktator Gaddafi allenfalls Nebenrollen – aber nun in diesen neuen Zeiten wollen auch sie ihre Zukunft und die ihres Landes aktiv mitgestalten. ARTE Reportage hat drei ganz unterschiedliche Frauen gebeten, uns ihr Leben vor und nach der Revolte zu erzählen.

Wir haben Soraya schon im Oktober 2011 kennengelernt. Ihre Geschichte kann sie nur unter großen Gefahren erzählen, denn sie rührt an ein altes und neues Tabu. Soraya war sieben Jahre lang eine Gefangene des Obersten Gaddafi, von seinen Schergen entführt, um sein Bett mit ihm nach seinem Willen zu teilen, eine Frau in seinem Harem. Nach dem Tod ihres Tyrannen wollte sie über das reden, was ihr Gaddafi angetan hatte. Aber niemand wollte das hören und man drohte ihr offen, sie solle lieber schweigen - die Revolution scheint die Mentalität vieler Männer nicht verändert zu haben.

Rana ist so alt wie Soraya, 22 Jahre. Vor Rana scheint eine glänzende Zukunft zu liegen. Sie gehört zur neuen Generation des Arabischen Frühlings: Weltoffen, im Internet vernetzt, lebt sie auch online, zwischen SMS, Twitter und politischen Diskussionen im Chat. Rana will diese Gesellschaft verändern, will öffentlich diskutieren, kein Thema macht ihr Angst. Sie träumt von einer neuen Präsidentin für Libyen. 

Lamia, ist 40, sie lebt in Bengasi und zählt zu den wenigen Aktivistinnen der libyschen Revolution. Sie ist unverheiratet, sie trägt keinen Schleier und ihre politische Haltung ist eigentlich die einer Liberalen. Viele der neuen Parteien in Libyen wollten sie für sich gewinnen. Doch Lamia entschied sich ausgerechnet für die umstrittene islamistische Partei El Watan. Es geht ihr weniger um den Islam oder um alte Traditionen - sie kämpft für die Erziehung der Jugend und El Watan ist eben ihre Partei der Wahl.

Soraya, Rana und Lamia kennen sich nicht persönlich. Aber eines haben sie gemeinsam: Sie kämpfen jeden Tag in einer Männergesellschaft um ihre Existenz in einem Land, dessen neue Geschichte gerade geschrieben wird..

Eine reportage von Charles Emptaz, Conrad Chemetoff, Cédric Corre und Walid Dziri - ARTE GEIE / Keep Shooting – Frankreich 2012

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016