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Mein Freund, der Roboter?

Länder: Europäische Union

Tags: Roboter, Technologie

Die Roboterindustrie boomt. Europa investiert weiterhin massiv in einen Sektor, der schon 2011 einen Umsatz von 20 Milliarden Euro verzeichnete.

 

Sie fahren Auto, pflegen Patienten oder saugen Staub: Roboter haben längst den menschlichen Alltag erobert, so auch Nao, Zora und Pepper, die alle drei von dem französischen Mittelstandsunternehmen Aldebaran entwickelt wurden. Derzeit strömen zahlreiche weitere Anbieter auf den Robotermarkt. Sie werden gefördert – denn Europa will im weltweiten Wettrennen zu den amerikanischen und japanischen Marktführern aufschließen.

Im Juni 2014 startete die Europäische Kommission ein umfangreiches  Innovations- und Forschungsprogramm, das 180 Unternehmen und Organisationen verschiedener Sektoren (Verkehr, Hygiene, Landwirtschaft, Handwerk usw.) dazu anregen soll, in Robotertechnologien zu investieren. Bis 2020 soll Sparc (The Partnership for Robotics in Europe) den Umsatz der Branche von aktuell 20 Milliarden Euro auf 60 Milliarden steigern und 240 000 Arbeitsplätze schaffen.  

 

„Menschelnde“ Roboter

Am Anfang sollten Roboter vor allem eines sein: praktisch. Nun aber will man sie immer menschlicher machen, im Aussehen wie in den Gefühlen. Manche Maschinen können anhand von Stimmanalysen das Verhalten ihrer menschlichen Gesprächspartner voraussehen. Und das Projekt Joker („JOKe and Empathy of a Robot“) des Limsi-CNRS hat das Ziel, über die Detektion sozialkommunikativer Kompetenzen wie Humor, Charme oder Mitleid die Interaktionen zwischen Mensch und Roboter zu verbessern.

„Wir experimentieren zurzeit mit dem Roboter Nao der Firma Aldebaran. Je nach Profil seines Gegenübers muss Nao einen Witz auswählen, der zur Situation passt“, erläutert Laurence Devillers, Informatikprofessorin an der Universität Paris-Sorbonne IV und Leiterin des Teams zur Erforschung der affektiven und sozialen Dimensionen in verbalen Interaktionen am LIMSI. „Ohne Emotion gibt es keine Kommunikation. Man hat das Gefühl, vor einer Wand zu reden“, erklärt sie weiter in einem Interview mit dem Journal du CNRS.

 

Heute Freund, morgen … ?

Manche Wissenschaftler fürchten jedoch die negativen Begleiterscheinungen emotionsfähiger Roboter, die etwa dazu eingesetzt werden könnten, Verbraucher zum Kauf eines bestimmten Produktes zu bewegen. Auch wichtige Akteure des IT-Sektors äußerten sich skeptisch zur künftigen Rolle dieser Maschinen in der Gesellschaft. So verortete sich Bill Gates „im Lager derer, die von der (künstlichen) Superintelligenz beunruhigt sind“, und der berühmte Physiker Stephen Hawking behauptete gegenüber der BBC, dass „die Entwicklung einer vollkommenen künstlichen Intelligenz das Ende der Menschheit bedeuten könnte.“

Wasser auf seine Mühlen dürften die ehrgeizigen Pläne der norwegischen Regierung gießen. Diese finanziert nämlich die Entwicklung von Roboterraketen, die ohne menschliches Zutun ein Ziel identifizieren und sich selbst den Zerstörungsbefehl geben können. Für ihr Projekt erhielt die Kongsberg-Gruppe vom norwegischen Staat bereits einen Zuschuss von 2,2 Milliarden Kronen (260 Millionen Euro). Der Internetseite The Local zufolge „wirft diese Technologie mehrere moralische Fragen auf. Was passiert zum Beispiel, wenn der Mensch seinen Platz auf dem Schlachtfeld gänzlich den Maschinen überlässt? Und wer wird im Falle eines Fehlers oder eines Verstoßes gegen das Völkerrecht zur Verantwortung gezogen?“ 

Céline Peschard

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017