|

Kroatien – Welcome to Liberland!

Länder: Kroatien

Tags: Liberland, Vit Jedlicka, Kleinstaat

Ein tschechischer Politologe hat auf einem sieben Quadratkilometer großen Gebiet an der kroatisch-serbischen Grenze eine kleine Republik gegründet. Ihre Devise: „Leben und leben lassen“. Der Ansturm ist groß …   

„Liberland“ wurde am 13. April 2015 gegründet, ist sieben Quadratkilometer groß und liegt am Ufer der Donau, direkt an der serbisch-kroatischen Grenze. „Leben und leben lassen“ heißt seine Devise – und laut offizieller Internetseite geht es in dem neuen „Land der Freiheit“ tatsächlich darum, „eine Gesellschaft zu schaffen, in der sich ehrliche Bürger ohne ineffiziente und einschränkende Gesetze, Vorschriften und Steuern frei entfalten können.

Ein Steuerparadies? „Die Ausgangsidee war, dass Steuern freiwillig sein sollten, um die Rolle des Staates auf das Mindeste zu reduzieren – also den Staat so klein und diskret wie möglich zu machen“, erklärte Vit Jedlicka, der 31-jährige Gründer des Mikrostaates, am 20. April 2015 der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Jedlicka ist Mitglied der „Partei freier Bürger“ in Liberland und hat sich selbst zum Präsidenten der Republik erklärt. Dem diplomierten Politikwissenschaftler zufolge haben sich schon 250 000 Personen um die Staatsbürgerschaft beworben. Reges Interesse gibt es auch in den sozialen Netzwerken: Die Facebook-Seite von Liberland wurde bereits über 110 000 Mal geliked.

 

Nichts für Neonazis und Kommunisten

Um Bürger in Liberland zu werden, reicht eine E-Mail mit einem gescannten Identitätsnachweis und einem Motivationsschreiben. Doch nicht alle Bewerber werden aufgenommen – um die Staatsbürgerschaft zu erhalten, muss man „seinen Nächsten sowie dessen Meinung und Privateigentum respektieren.“ Kommunisten, Neonazis „und andere Extremisten“ müssen draußen bleiben; ebenso Menschen, „die wegen schwerer Straftaten verurteilt wurden“, erklärt die französische Onlinezeitung Rue89. Und fügt hinzu, dass „manche Liberland weiterhin für einen Scherz oder den Versuch halten werden, gewisse europäische Probleme zu thematisieren.

Das dementiert Vit Jedlicka allerdings – und erinnert daran, dass niemand Anspruch auf diesen Landstrich erhebt. „Kroatien meint, das Gebiet gehöre zu Serbien, aber Serbien will es nicht haben. Das geht nun schon seit vierundzwanzig Jahren so“, erklärt der liberländische Präsident. Also seit dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens ... Liberland sieht sich als „konstitutionelle Republik“ und „partizipative Demokratie“ und hat alles, was ein Staat braucht: eine Hauptstadt (Liberpolis), zwei offizielle Landessprachen (Englisch und Tschechisch) und eine Flagge mit einer Sonne und einem Vogel vor gelbem Hintergrund mit schwarzem Balken.  

Franck Berteau

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016