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Kreml-Gegner Boris Nemzow ermordet

Länder: Russland

Tags: Opposition, Ermordung, Boris Nemzow, Wladimir Putin

Der russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow wurde in der Nacht des 27. Februars in Moskau auf offener Straße erschossen. Nemzow galt als scharfer Kritiker Putins. Er hatte sich vermehrt gegen die Ukraine-Politik des Kreml-Chefs stark gemacht und Partei für die prowestliche Regierung in Kiew ergriffen. 

An diesem Sonntag hätte Boris Nemzow bei einer Demonstration in Moskau gegen Putins Ukraine-Politik auftreten sollen. Noch am Abend des 27. Februars hatte er die Russen über das unabhängige Radio "Echo" dazu aufgerufen, sich dem Protest anzuschließen.  Nur wenige Stunden später ging Nemzow über eine Brücke, in unmittelbarer Sichtweite des Kreml, als ihm ein Unbekannter von einem Auto aus vier Kugeln in den Rücken schoss. 

 

Scharfer Kritiker Putins

Der 55-Jährige galt als einer der schärfesten Kritiker von Putins Ukraine-Politik im eigenen Land. Er war wiederholt in die Ukraine gereist um der prowestliche Führung seine Unterstützung zu erklären. 

Geboren wurde Boris Nemzow am 9. Oktober 1959 im späteren Austragungsort der Olympischen Winterspiele in Sotchi. Seine politische Karriere begann als Gouverneur der zentralrussischen Region Nischi Nowgorod. Von 1997 bis 1998 setzte sich Nemzow als Vize-Ministerpräsident unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin für liberale Wirtschaftsreformen ein.

2008 ging er bei den Präsidentschaftswahlen als Kandidat der liberalen Partei Union der rechten Kräfte ins Rennen, zog seine Kandidatur aber vor der Wahl zurück. 2009 ließ er sich als Kandidat für die Bürgermeisterwahl in seinem Geburtsort Sotchi aufstellen, wurde aber von dem Kandidaten der Kremlpartei "Einiges Russland" geschlagen.

Anfang 2011 gründete Boris Nemzow gemeinsam mit dem früheren Ministerpräsidenten Michail Kasjanow die "Partei für Volksfreiheit". Seit Putins Amtsantritt 2000 trat Nemzow immer wieder als scharfer Regierungskritiker auf. Mehrmals wurde er bei Demonstrationen verhaftet. 

 

Weltweites Entsetzen

"Er war eine Brücke zwischen der Ukraine und Russland, und diese Brücke wurde durch die Schüsse eines Mörders zerstört. Ich denke nicht, dass das ein Zufall war", nahm Ukraines Präsident Petro Poroschenko auf seiner Facebook-Seite zu Nemzows Ermordung Stellung.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den "brutalen Mord" und forderte die russischen Regierung umgehend dazu auf, das Verbrechen aufzuklären. 

Wladimir Putin sicherte seinerseits in einem Beileidstelegramm an Nezmows Mutter zu, dass alles getan werde, "damit die Organisatoren und Täter dieses hässlichen und zynischen Mordes ihrer verdienten Strafe zugeführt werden." Der Kremel lobte Nemzow in dem Schreiben als "aufrichtigen Politiker", der "stets seine Position vertreten hätte". Putins Sprecher Dmitri Peskow wies darauf hin, dass das Attentat "Zeichen eines Auftragsmordes" hätte. Er betonte außerdem, dass Nemzow  "keinerlei politische Gefahr" für Putin dargestellt hätte.

Der Mord an dem Oppositionspolitiker reiht sich ein in eine Vielzahl ähnlicher Verbrechen, die in den letzten Jahren in Russland an Regierungsgegener begangen wurden. 2009 wurden die Menschrechtsaktivisten Natalja Estemirowa, die Journalistin Anastassija Baburowa und der Anwalt Stanislaw Markelow ermordert, 2006 die Journalistin Anna Politkowskaja. Die Täter wurden in manchen Fällen festgenommen und verurteilt, die Hintergründe der Morde aber nie aufgeklärt.

 

Im Dezember 2014, kurz vor seinem Tod, hat Boris Nemzow ARTE ein Interview gegeben. Er sprach mit uns über Propaganda und die Sanktionen gegen Russland. 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016