Kolumbien: Frieden in greifbarer Nähe

Länder: Kolumbien

Tags: FARC, Kolumbien

In Kubas Hauptstadt Havanna ist es zu einem Durchbruch bei den Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken Guerillaorganisation gekommen: Präsident Juan Manuel Santos und FARC-Anführer Rodrigo Londoño einigten sich auf einen juristischen Rahmen zur Aufarbeitung des Konflikts. "Das Ende des Konflikts ist eine Frage von einigen Monaten. Der Friedensprozess in unserem Land wird Jahre dauern", twitterte Innenminister Juan Fernando Cristo. 

 

 

Auf was hat man sich geeinigt? 

Eine Frage der Erde

Wenn der Frieden besiegelt ist, wem gehört dann das Land der 5 Millionen im Bürgerkrieg vertriebenen Bauern in Kolumbien?

In der gemeinsamen Erklärung erklärten Santos und Londoño, für politische Straftaten werde eine weitreichende Amnestie gewährt. Kein Straferlass gebe es hingegen für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das spezielle Justizwesen soll auch für Soldaten und Polizisten gelten, die Menschenrechtsverletzungen begangen haben. 

Lebenslang müssen die Verbrecher jedoch nicht ins Gefängnis. Wer schwere Verbrechen gesteht, riskiert höchstens eine Freiheitsstrafe von acht Jahren. Dabei könnte es sein, dass manche Gefängnisstrafen als Hausarrest abgesessen werden. 

 

Kritik aus den eigenen Reihen

Es sind ebendiese moderaten Strafen, die im Zentrum der Kritik stehen. Kolumbiens Ex-Präsident Álvaro Uribe prangerte das Abkommen an: Es ermögliche Kriegsverbrechern, sich ihrer Strafe zu entziehen. Außerdem werde Terroristen erlaubt, sich künftig am politischen Leben Kolumbiens zu beteiligen. 

Die FARC verzeiht Dir nie 

Sie waren noch Kinder, als die Guerilla sie rekrutierte - wer fliehen will, dem droht der Tod: Zwei Mädchen von der FARC erzählen… 

Die USA hingegen begrüßten die in Kuba erzielte Einigung. Außenminister John Kerry erklärte: "Die Kolumbianer verdienen einen gerechten und dauerhaften Frieden."

Der Friedensvertrag soll spätestens am 23. März 2016 unterschrieben werden. Vor der Unterzeichnung muss der Text von den Kolumbianern in einem Referendum gebilligt werden. Dann sollen die FARC innerhalb von zwei Monaten ihre Waffen niederlegen.

 

220.000 Tote, 6 Millionen Binneflüchtlinge
In dem Bürgerkrieg zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs sind seit 1952 mehr als 220.000 Menschen getötet worden. Kolumbien zählte 2014 über sechs Millionen Binnenflüchtlinge. 26.000 Kolumbianer gelten heute noch als vermisst. 

 


 

 
Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016