Kolumbien: Das Gesetz für die Opfer

Länder: Kolumbien

Tags: guerilla

Es gibt Hoffnung für die 4 Millionen Vertriebenen und Gewaltopfer in Kolumbien. Mit dem "Gesetz zur Entschädigung der Gewaltopfer" übernimmt der Staat erstmals Verantwortung für die Folgen der jahrzehntelangen Gewalt. Er verpflichtet sich, die Opfer zu entschädigen und den Vertriebenen eine Rückkehr auf ihre Farmen und in ihre Dörfer zu ermöglichen.


In manche Regionen kehren Vertriebene bereits zurück: zum Beispiel in das Dorf San Carlos, rund 4 Autostunden nordöstlich von Medellin. 

20 000 Menschen sind vor der Gewalt in der Großgemeinde geflohen, einige tausend kehren jetzt zurück. Doch in der alten Heimat erwartet sie ein schwieriger Neuanfang: das Farmland liegt brach, Häuser und Infrastruktur sind zerstört, und der Frieden ist brüchig: die meisten ehemaligen Paramilitärs sind zwar demobilisiert, aber viele arbeiten mit Nachfolgebanden zusammen, die den Drogenhandel kontrollieren. Der Staat ist nicht überall stark genug, um für Recht und Ordnung zu sorgen, oder die örtlichen Machthaber sind selbst an den illegalen Machenschaften beteiligt.

In vielen Provinzen geht der interne Konflikt auch offen weiter und immer noch müssen jeden Monat tausende Kolumbianer vor Drogenbanden, Guerilla und Nachfolgeorganisationen der Paramilitärs fliehen. Besonders brisant ist die Situation derzeit in der Provinz Cordoba. Hier kontrolliert die Guerilla den Kokaanbau, rivalisierende Drogenbanden, deren Mitglieder häufig ehemalige Paramilitärs sind, organisieren den Transport der Drogen zur Küste und ins Ausland. 

Menschen, die in den betroffenen ländlichen Gebieten wohnen und nicht kooperieren wollen oder einfach nur im Weg sind, werden vertrieben oder ermordet. 

Arte-Reporter Stefan Richts und Kameramann Stefan Stechow haben Vertriebene bei der Rückkehr in ihr Heimatdorf begleitet. Jahrelang lebten die Flüchtlinge in den Armenvierteln der Millionenmetropole Medellin, jetzt starten sie einen Neuanfang. Zudem konnten Stefan Richts und Stefan Stechow mit Gewaltopfern sprechen und filmen, die erst in diesem Jahr vertrieben wurden. Einige haben bei einem Massaker im August enge Familienmitglieder verloren.

Eine reportage von Stefan Richts und Stefan Stechow– ARTE GEIE / Primavera 07 Film & TV Produktion – Deutschland 2011

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016