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Kinderarbeit: eine versteckte Realität

Länder: Bulgarien, Italien, Großbritannien

Tags: young carers, Kinderarbeit

Sie arbeiten auf Baustellen und Feldern, auf der Straße oder in der Fabrik: Kinderarbeit ist in Europa auch heute noch Realität. In manchen Ländern hat sich die Lage in den letzten Jahren sogar noch verschlimmert.

 

Das Thema ist tabu, doch aus einer Studie des Europarates von 2013 geht hervor, dass Kinderarbeit noch längst nicht vom alten Kontinent verschwunden ist. In Georgien arbeiten fast 29 % der Kinder zwischen 7 und 14 Jahren, in Albanien sollen es 19 % sein. In der Europäischen Union sieht es kaum besser aus: Über 5 % der italienischen Kinder unter 16 Jahren müssen sich ihr Brot selbst verdienen, besagt eine andere Studie von Juni 2013. Manche bulgarische Kinder arbeiten bis zu zehn Stunden am Tag, vor allem in der Tabakindustrie, und auch Großbritannien bleibt nicht verschont: Hier hätten viele Kinder „sehr harte Arbeitszeiten.“ Für die meisten Länder liegen jedoch kaum Zahlen vor, da Kinderarbeit meist unter höchst illegalen Bedingungen stattfindet. „Kinderarbeit könnte sich auch in Ländern entwickeln, die heute von harten Sparmaßnahmen betroffen sind, wie Zypern, Griechenland, Italien und Portugal“, betont der Europarat. Die Studie bestätigt ferner, dass Romakinder und minderjährige Einwanderer ohne Begleitung von Erwachsenen besonders betroffen sind.

 

Was sagt das Gesetz?

Den Regeln und Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge dürfen Jugendliche, die in ihrem Aufenthaltsland schulpflichtig sind, nicht arbeiten. Verboten ist Erwerbstätigkeit generell bis zum Alter von 15 Jahren. Ausnahmen gelten für Entwicklungsländer. So können Kinder zwischen 12 und 14 Jahren für „leichte Arbeiten“ herangezogen werden.

 

Und die Young Carers?

Gegen Kinderarbeit vorzugehen, ist in Europa schwer genug. Nun stellt sich zudem die Frage nach den sogenannten Young Carers. So heißen Minderjährige, die unentgeltlich in den Haushalten ihrer Verwandten oder Bekannten helfen und sich zum Beispiel um Eltern oder Verwandte kümmern, die unter einer Behinderung, psychischen Störung oder körperlichen Krankheit leiden. In vielen Ländern müssen Kinder und Jugendliche auf die Großeltern aufpassen, putzen und die Geschwister hüten. Laut einer Studie mit dem Titel Hidden from View waren 2011 in England 166 000 Minderjährige mit solchen Aufgaben betraut, d.h. 20 % mehr als 2001. 16 000 von ihnen arbeiten über fünfzig Stunden die Woche.    

Betroffen sind vor allem Kinder zwischen 10 und 14 Jahren, und den Schätzungen der NGOs zufolge ist dies nur der sichtbare Teil des Eisbergs. Denn das Sozialamt hat es schwer, der Kinderarbeit auf die Schliche zu kommen. The Guardian hat dem Thema, das in den Medien sonst eher vernachlässigt wird, mehrere Artikel gewidmet. 

Nadine Ayoub

 

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017