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Kinder sind leichter manipulierbar

Länder: Welt

Tags: Kindersoldaten

Die Zahlen schwanken, die Dunkelziffer ist hoch: Experten gehen davon aus, dass weltweit rund 250.000 Kinder in Asien, Afrika und Lateinamerika zu Kriegshandlungen missbraucht werden.

 
"Liste der Schande"

4000

Kindersoldaten wurden weltweit eingesetzt, die Dunkelziffer liegt noch höher.

 

Die Vereinten Nationen (UNO) geben jedes Jahr im Juli einen Bericht zur Lage der Kindersoldaten in der Welt heraus: die letzten veröffentlichten Zahlen stammen also aus dem Jahr 2013. Laut dem Report über "Kinder und bewaffnete Konflikte" wurden mindestens 4000 Kindersoldaten weltweit eingesetzt. Die Dunkelziffer, so räumt der Bericht ein, sei allerdings deutlich höher. Rund ein Drittel der Kindersoldaten sind in afrikanischen Ländern zu finden. Und die Hälfte von ihnen sollen Mädchen sein.

Auf der sogenannten "Liste der Schande" standen 2013 acht staatliche Armeen und 51 bewaffnete Gruppen in mindestens 17 Ländern (siehe Karte). Sie ziehen Kinder in bewaffnete Konflikte hinein: sei es als Kindersoldaten, sei es, indem sie Minderjährige als Selbstmordattentäter einsetzen oder sie bewusst in Gefahr bringen, durch Angriffe auf Schulen zum Beispiel oder sie anderer Gewalt aussetzen, durch sexuelle Versklavung und Ausbeutung.

Neu auf der Liste standen 2014 fünf Organisationen: die nigeriansiche Terrorgruppe Boko Haram, die Dschihadisten von IS im Irak und Syrien genauso wie die Islamisten der Al Nusra-Front und von Ahrar al-Scharam sowie kurdische Volksverteidigungseinheiten.

 

Kindersoldaten sind:
"Alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden (…), darunter Kinder, die als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder zu sexuellen Zwecken benutzt wurden." (06.02.2007, Protokoll der „Pariser Prinzipien“ , UNICEF-Konferenz). 58 Staaten haben diese Absichtserklärung unterzeichnet. Sie sieht vor, dass Minderjährige keine Waffen tragen dürfen. Im Kriegsfall sind sie zu entwaffnen und diejenigen, die sie für Kriegszwecke missbrauchen wollen, sollen demnach bestraft werden.  Alle EU-Staaten zählen zu den Unterzeichnern, aber auch Länder aus Asien, Lateinamerika und Afrika – darunter Sierra Leone, Liberia und Kongo, in denen der Missbrauch von Kindersoldaten nachgewiesen worden ist. Hier zeigt sich auch das große Problem des Pariser Vertrags: Er ist nicht juristisch bindend.

 
Leichter manipulierbar

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Lesen Sie auch unser Interview mit Fred Abrahams von Human Rights Watch Berlin zu dem Thema. 

Die Kinder werden entweder entführt oder mit falschen Versprechungen und einem geringen Sold gelockt. Oft werden sie mit Drogen oder durch Misshandlungen gefügig gemacht. Dann werden sie zu Kampfmaschinen gedrillt. Hintergrund: Kinder sind oftmals leichter manipulierbar, gehorsamer und furchtloser als Erwachsene.

Deshalb werden sie oft auch an besonders gefährlichen Stellen eingesetzt: als Minensucher, Spione oder Vorhut. Dementsprechend hoch ist ihr Risiko, verletzt oder getötet zu werden.

Die Langzeitfolgen für die Psyche der jungen Opfer sind gravierend: einerseits werden die Kinder durch die Abhängigkeitssituation und den verlangten absoluten Gehorsam traumatisiert, das Selbstbewusstsein schwindet. Parallel dazu stumpfen sie gegenüber Grausamkeiten ab und verwahrlosen emotional.

 

Hoffnung durch UNO

Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die Tatsache, dass die UNO in den letzten Jahren verstärkt auf das Problem reagiert hat, unter anderem mit der UN-Kinderrechtskonvention und der Benennung eines UN-Sonderbeauftragten für Kinder in bewaffneten Konflikten.

Auch der neu geschaffene Internationale Strafgerichtshof in Den Haag bietet neue Möglichkeiten, Kinder effektiver zu schützen. Eine seiner Aufgaben ist es, die Rekrutierung von Kindern als Kriegsverbrechen zu verfolgen.

 

Red Hand Day

 

​Red Hand Day 
Seit mehr als 10 Jahren gibt es den sogenannten Red Hand Day:  am 12. Februar jeden Jahres wird seither an das Schicksal der Kindersoldaten erinnert. An diesem sogenannten Red Hand Day setzen Kinder aus allen Ländern mit roten Händen ein Zeichen dagegen, dass noch immer weltweit etwa 250.000 Mädchen und Jungen für die Kriegsziele von Erwachsenen missbraucht werden. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016