"Kein ausreichender Schutz für Sinti und Roma"

Länder: Tschechische Republik, Frankreich, Griechenland

Tags: Roma, Europa, Menschenrechte, Amnesty

Die Minderheit der Sinti und Roma wird in Europa zunehmend Opfer von Gewalt, aber die Staaten gehen das Problem nicht an. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Amnesty International, veröffentlicht am 8. April, dem Internationalen Tag der Roma. „Die Regierungen weigern sich das Problem zur Kenntnis zu nehmen und reagieren kaum auf gewalttätige Vorfälle“, sagt Marco Perolini von der Nichtregierungsorganisation.

In Frankreich prangert die Organisation die Rolle der Polizei an, die die Minderheit „belästigt“.  Zum Beispiel indem sie Romasiedlungen räumt. 2013 kam es zu 165 Räumungen, 20.000 Personen verloren ihr Zuhause. Allein in Marseille habe es seit 2011 ein „Dutzend Fälle polizeilicher Einschüchterungen und Belästigungen“ gegeben. Die Organisation wirft der Polizei außerdem vor, die Roma nicht ausreichend zu schützen und Aggressionen gegen die Minderheit nicht ausreichend zu verfolgen.

 

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Roma in Europe: Demanding justice and protection in the face of violence - Studie von Amnesty International (englisch)

Die NGO kritisiert auch Tschechien. Dort führten rechtsradikale Gruppen 2013 zahlreiche Demonstrationen gegen die Roma durch, ohne dass die Staatsmacht reagierte. In der Kleinstadt Duchcov hatte sogar der Bürgermeister an einem solchen Marsch teilgenommen, schreibt Amnesty.

 

Auch Griechenland steht in der Kritik. Die Organisation wirft der griechischen Polizei vor, dass sie bei einem Angriff mit Molotow-Cocktails und Steinen auf Roma-Wohnhäuser im Städtchen Etoliko nicht eingeschritten sei.

 

Außerdem stehen die Polizisten unter Verdacht, bei der Räumung von Romalagern regelmäßig ihre Kompetenzen zu überschreiten. Amnesty ruft die Politk deshalb dazu auf, das polizeiliche Vorgehen genauer zu kontrollieren. Rassistische Täter müssten zudem effektiver bekämpft und Gewalt gegenüber Roma statistisch erfasst werden.

 

(mit AFP)

 

Quelle: Europarat