|

"Katastrophengefahr für Millionen von Menschen"

Länder: Vanuatu

Tags: Klimawandel, Erderwärmung, Katastrophen

Drei Fragen an Peter Mucke. Er ist seit 2009 Geschäftsführer des "Bündnis Entwicklung Hilft“, ein Zusammenschluss der sieben Hilfswerke  Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes, Welthungerhilfe und der assoziierten Mitglieder Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sowie German Doctors. Das Bündnis Entwicklung Hilft bringt in Kooperation mit der Universität der Vereinten Nationen den Weltrisikobericht heraus.

Den schweren Naturereignissen sind wir nicht hilflos ausgeliefert.

Peter Mucke - 16/03/2015

ARTE Journal: Der Präsident von Vanuatu, Baldwin Lonsdale, macht den Klimawandel mitverantwortlich für die Katastrophe, die sein Inselstaat heimgesucht hat. Eine Einschätzung, die Sie teilen?

Peter Mucke: In unseren Analysen für den Weltrisikobericht stellen wir sehr eindeutig fest, dass der Inselstaat Vanuatu durch Wirbelstürme, durch Erdbeben und durch den Anstieg des Meeresspiegels besonders gefährdet ist. Es gibt namhafte Forscher und Untersuchungen, die sowohl beim Aufkommen der Wirbelstürme als auch beim Meeresspiegelanstieg  die Zusammenhänge zum Klimawandel benennen.  Leider müssen wir sehen, dass die meisten Staaten bisher nicht bereit sind, international das notwendige Geld zu investieren für eine effiziente Katastrophenvorsorge  Auch die Weltkonferenz der Vereinten Nationen, die gerade in Japan stattfindet, beschäftigt sich mit genau diesem Thema, der Risikoreduzierung von Katastrophen. Man muss dabei die internationalen Zusammenhänge klar erkennen: die Globalisierung führt dazu, dass Wirtschaftsprozesse immer stärker in den Vordergrund geraten und Entscheidungen ganz klar dominieren. Dagegen haben Klimawandel und unser Thema, also die Katastrophen möglichst zu reduzieren, nicht den Stellenwert wie die Wirtschaftsprozesse.

Besonders Länder mit großen Küstenstreifen sind hier betroffen.

Peter Mucke - 16/03/2015

ARTE Journal: Wie viele Menschen  laufen weltweit Gefahr, Opfer des Klimawandels zu werden?

Peter Mucke: Der Gefahr von Katastrophen sind viele Millionen Menschen ausgesetzt. Wir können in unseren Untersuchungen sehr deutlich zeigen, dass besonders Länder mit großen Küstenstreifen hier betroffen sind und von Überschwemmungen bedroht sind. Das liegt sowohl an den drohenden Wirbelstürmen als auch am Meeresspiegelanstieg, der eindeutig stattfindet. Diese Länder stehen auch daher auf den ersten 10 Plätzen in unserem Weltrisikoindex.

ARTE Journal: Was können wir angesichts weiterer drohender Katastrophen tun?

Peter Mucke: Wir müssen ganz eindeutig erkennen: Den schweren Naturereignissen sind wir nicht hilflos ausgeliefert. Der Mensch kann diesen Gefährdungen begegnen. Wir müssen daran arbeiten, dass die Menschen nicht mehr so anfällig sind, weil sie arm sind oder weil sie beispielsweise Häuser haben, die sofort zusammenstürzen. Wir müssen außerdem daran arbeiten, dass die Bewältigungskapazitäten nach einer Katastrophe deutlich besser werden, dass Krankenversorgung usw. schneller stattfindet.  Auch müssten mehr Anpassungsmaßnahmen getroffen werden, wie zum Beispiel die Deiche in den Niederlanden, und der  Erhalt und Schutz der natürlichen Ökosysteme in Küstengebieten kann viel ausreichten,  wie zum Beispiel Korallenriffe und Mangrovenwälder.
 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016