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Journalisten: Vorsicht, Lebensgefahr!

Länder: Zentralafrikanische Republik, Italien, Syrien

Tags: Journalisten

Ein klares Bild von der Welt gewinnt nur, wer ungehindert Zugang zu Informationen hat, zu Nachrichten, die möglichst wenig parteiisch sind, frei recherchiert wurden und aus verschiedenen Quellen kommen. Beschafft werden diese Nachrichten zumeist von professionellen Informationsarbeitern, von Journalisten. Ihr Geschäft wird gefährlicher. Entführung, gezielte Tötung, tödlicher Kollateralschaden bei Kampfhandlungen, Gefängnis... immer mehr gerät die journalistische Arbeit zum Risiko.

Bilanz Mitte Mai: 18 Tote

Das jüngste Opfer: die französische Fotoreporterin Corinne Lepage, erschossen in der vom Bürgerkrieg zerstörten Zentralafrikanischen Republik. Drei Wochen vorher starb die Deutsche Anja Niedringhaus in Afghanistan. Im November 2013 wurden zwei Mitarbeiter von Radio Françe international in Mali getötet, wo die französische Armee von Islamisten eroberte Gebiete im Norden zurückholen wollte. Wie genau sie umkamen, liegt noch im Dunkeln. Angehörige werfen der französischen Justiz vor, sich mit der Aufklärung nicht sonderlich zu beeilen. 2014 wurden bereits 18 Journalisten bei der Ausübung ihres Berufes in Krisengebieten getötet. Und mit ihnen ein Stück Informationsfreiheit.

 

Nachrichten aus Syrien: Der Preis ist hoch

Wer berichten will, was in Syrien vorgeht, lebt mit maximalem Risiko. Bisher starben 25 Jorunalisten im Syrien-Krieg. Vom Mut einheimischer Reporter erfahren wir wenig. Von den Problemen westlicher Journalisten mehr. In Aleppo hatte der Fahrer des ARD-Korrespondenten Jörg Armbruster nicht mitbekommen, dass sich die mäandernde Frontlinie zwischen der Freien Syrischen Armee und Islamisten kurzzeitig verändert hatte. Der erfahrene Nahost-Experte wurde bei einem Schusswechsel schwer verletzt. Vier französische Kollegen, darunter ARTE-Sonderkorrespondent Nicolas Henin, wurden im Juni 2013 in Syrien von Islamisten entführt und erst fast ein Jahr später freigelassen.   

 

Andere Gegner: Kriminelle Netzwerke, korrupte Behörden, autoritäre Regime

Auch Journalisten, die sich um Korruption und organisiserte Kriminalität kümmern, leben gefährlich. In Italien müssen sich acht vor der Mafia verstecken, darunter Buchautor Roberto Saviano (Gomorrha, Zero, Zero, Zero). In Mexiko fordert der Drogenkrieg Tausende Opfer.  Mit Journalisten, die dem Gewerbe und seinen Verbindungen mit Wirtschaft und Politik auf die Finger schauen wollen, wird nicht lange gefackelt. So lebt Ana Lilia Pérez nach Todesdrohungen seit Jahren im Ausland. Auch in Asien ist es gefährlich, korrupten Behörden ihre Vergehen nachzuweisen. Der Journalistin Tongam Rina, die für eine nordindische Provinzzeitung recherchierte, wurde der Unterleib zerschossen. 

 

Informationsfreiheit: ein gefährdetes Menschenrecht

Nicht zu vergessen: totalitäre Staaten verfügen über viele Methoden, auf Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen herumzutrampeln.  

Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unange­foch­ten zu vertreten sowie Informationen und Ideen mit allen Kom­muni­ka­tions­mit­teln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

 

In Frankreich engagiert sich die Öffentlichkeit mehr als in Deutschland für dieses Grunderecht und verfolgt, was mit engagierten Journalisten passiert. Demonstrationen erinnern an Geiseln, Schulen rufen Aktionstage aus, Angehörige Betroffner werden zu Vorträgen geladen.

Berichten wollen, was in der Welt vorgeht – und dafür sterben. So hoch sollte der Preis nicht sein, den engagierte Journalisten zu zahlen haben. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016