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Jemen: Spendengelder statt Waffenembargo

Länder: Jemen

Tags: Bürgerkrieg, Hungersnot, Waffenhandel

Die Vereinten Nationen sprechen von der "größten humanitären Krise aller Zeiten." Bei der Geberkonferenz zur humanitären Krise im Jemen hat die Weltgemeinschaft 1.1 Milliarden Dollar Nothilfe gesammelt. Doch Spendengelder alleine reichen nicht, solange Waffenlieferungen ungebremst weitergehen.

UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete das Resultat der Geberkonferenz in Genf als "bemerkenswerten Erfolg." Die Hilfsorganisation Oxfam hingegen war enttäuscht, dass nicht mehr Geld zusammenkam. "Die Weltgemeinschaft hat das Volk Jemens im Stich gelassen", teilte sie mit. Die UNO hatte den Bedarf an Hilfsgeldern im Vorfeld der Genfer Konferenz auf 2.1 Milliarden Dollar geschätzt. 

 

Das Armenhaus der Arabischen Halbinsel

Schon bevor der Konflikt im Jemen im März 2015 eskalierte, war das Land arm, zerstritten und unterentwickelt. Der Jemen gehört weltweit zu den Ländern, die am stärksten auf Nahrungsmittelimporte angewiesen sind. Aufgrund von Land- und Seeblockaden ist die Zufuhr für die Hilfsorganisationen aber oft unmöglich.

"Die größte humanitäre Krise der Welt"

Im März 2015 startete eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen. Die humanitäre Lage im Land verschlechterte sich durch den Bürgerkrieg zunehmend. Mehr als 7.700 Menschen kamen in dem Konflikt ums Leben. Mehr als drei Millionen Menschen befinden sich im Land auf der Flucht. Die Vereinten Nationen berichten, dass von den insgesamt 26 Millionen Einwohnern 19 Millionen auf dringende humanitäre Hilfe angewiesen sind. Lebensmittelknappheit und Mangelernährung erreichten im Frühjahr 2017 einen dramatischen Punkt. Sieben Millionen Menschen sind derzeit akut vom Hungertod bedroht. 

 

Mehr zum Thema:

Hochkonjunktur im weltweiten Waffenhandel. Unser Artikel zur Veröffentlichung des jüngsten SIPRI-Berichts. (20. Februar 2017)

Ungembremste Waffenlieferungen 

Trotz der humanitären Katastrophe und im Widerspruch zum Internationalen Waffenhandelsabkommen (ATT) gehen die Waffenlieferungen ungebremst weiter. Gemäß Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) lieferten allein die USA und Großbritannien seit 2015 Waffen im Umfang von über fünf Milliarden US-Dollar an Saudi-Arabien. Saudi-Arabien ist Taktgeber der Riad-Allianz, die aus der Luft mutmaßliche Stellungen der Huthi-Rebellen bombardiert (mehr dazu in unserer Grafik unten).

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International rechnete im März 2017 vor, dass Länder wie die USA oder Großbritannien zehnmal mehr Gelder mit Waffenlieferungen an Saudi-Arabien einnehmen, als sie für die Nothilfe der Bevölkerung spenden. Amnesty International fordert deshalb ein umgehendes Waffenembargo gegenüber Saudi-Arabien. 

Wer kämpft im Jemen an welcher Front? Wer besetzt welche Gebiete? Welche Kriegsverbrechen finden statt? Und wie sieht die humanitäre Lage vor Ort aus? Unsere interaktive Grafik bietet einen Überblick.

Zuletzt geändert am 25. April 2017