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Jeder zehnte Franzose wählt den Front National

Länder: Frankreich

Tags: Europawahl

Der rechtspopulistische Front National hat bei der Europawahl in Frankreich einen beachtlichen Wahlerfolg erzielen können. Denn mindestens 25 Prozent der Franzosen stimmten für die Partei von Marine Le Pen. 2009 war der FN noch auf 6,3 Prozent der Stimmen gekommen.

Historischer Sieg für den FN

Das Wahlergebnis sorgt für ein politisches Erdbeben in Frankreich, denn der Front National ist mit rund 25 Prozent der Stimmen bei der Europawahl erstmals zur stärksten Partei Frankreichs geworden. Damit hat sie ordentlich an Stimmen gewonnen, denn 2009 hatte der FN noch bei 6,3 Prozent gelegen.

 

Für Le Pen ist das Wahlergebnis eine „immense Ehre“. Die 45-Jährige betonte, dass sich die Partei des Wählers „würdig“ erweisen werde. Das

25%

der Stimmen für den Front National

 

Wahlergebnis sei „die erste Etappe des langen Marsches“ der Rückkehr zur französischen Souveränität. Le Pen kritisierte auch die derzeitige Regierung unter Präsident François Hollande und bezeichnte das Parlament in Paris als nicht „repräsentativ“. Sie forderte noch am Wahlabend die Auflösung der französischen Nationalversammlung und Neuwahlen. 

 

Regierungschef Manuel Valls wies diese Forderung entschieden zurück: "Wir werden nicht der Identitätskrise, der moralischen Krise, die Frankreich durchmacht, noch ein Wahldurcheinander hinzufügen." Die fünfjährige Amtszeit solle zu Ende gebracht werden.

UMP hinter dem Front National

Die konservative Oppositionspartei UMP erzielte 20,8 Prozent und büßte damit einige Prozentpunkte ein. 2009 erhielt sie noch 27,87 Prozent. Die UMP ist der FN damit dicht auf den Fersen.

Der Vormarsch der FN sorgt auch bei den UMP-Mitgliedern für Empörung. Der Vorsitzende Jean-François Coppé bezeichnete das Ergebnis als „Ausdruck einer gigantischen Wut“ und einer „sehr starken Erbitterung“ über die Politik Hollandes.

 

Ein ernster Moment für Frankreich und Europa."

Manuel Valls, Regierungschef

Desaster für die Sozialisten

Diese Europawahl ist vor allem für die sozialistische Partei PS von Staatschef François Hollande ein Desaster. Erst vor zwei Monaten mussten die Sozialdemokraten bei den Kommunalwahlen wegen schlechter Wirtschaftszahlen herbe Verluste einstecken. Und auch jetzt, nur wenige Wochen später, kommt die Partei nicht mehr auf die Füße. Mit knapp 14 Prozent hat die Partei ihr schlechtestes Ergebnis bei Europawahlen eingefahren. Vor fünf Jahren erzielte sie schon ein schwaches Ergebnis mit gut 16 Prozent. Regierungschef Manuel Valls sprach von einem „ernsten Moment für Frankreich und Europa und von „einem Schock, einem Erdbeben“. Für die Umwelt- und Energieministerin Ségolène Royal ist der Wahlausgang beschämend, denn die EU-Bürger sähen nun, dass in Frankreich jeder vierte Wähler für eine „gewaltig anti-europäische Partei“ gestimmt habe. Sie sprach weiter von einer „gigantischen Wut“ bei den französischen Wählern.

 

Die französischen Grünen erzielten 9 Prozent der Stimmen. Ein Einbruch, denn 2009 waren es noch 16,3 Prozent.

 

Kurswechsel für Europa

Für Montagmorgen hatte der Staatspräsident Manuel Valls und mehrere Minister zu einer Krisensitzung in den Elyséepalast bestellt, um über die Wahlergebnisse zu beraten. Trotz der Niederlage wollen die Sozialdemokraten an ihrer umstrittenen Reformpolitik festhalten. Manuel Valls sagte dem Sender RTL, dass die Regierung ihren "Plan" nicht ändern wolle. Er schlos aber neue Steuersenkungen "insbesondere bei der Einkommenssteuer" nicht aus. Nach dem Wahldebakel forderte Valls einen Kurswechsel der EU. "Ich bin überzeugt, dass Europa neu ausgerichtet werden kann, um Wachstum und Beschäftigung stärker zu unterstützen."

42%

Wahlbeteiligung in Frankreich

 

Wahlbeteiligung nur wenig höher als 2009

46 Millionen Wähler waren am Wahlsonntag dazu aufgerufen, die Abgeordneten für das EU-Parlament zu bestimmen. Insgesamt schickt Frankreich 74 Abgeordnete in das Parlament. Die Wahlbeteiligung lag bei 42 Prozent und ist damit ein klein wenig höher als noch 2009.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016