Japan: Kind oder Arbeit?

Länder: Japan

Tags: Arbeitsrecht

Sayaka Osakabe wurde von ihrem Arbeitgeber aus dem Job gedrängt, als sie schwanger war – das ist bis heute so üblich in Japan. Sie kämpft seitdem mit anderen Frauen darum, die Mentalität der Unternehmer endlich zu verändern.  

Japon : mère ou travailleuse ?

 

Noch immer sollen in japanischen Unternehmen die Frauen nach der Heirat ihren Job aufgeben, auf jeden Fall aber spätestens, wenn sie das erste Kind bekommen. Wer sich traut, das abzulehnen, so wie Sayaka Osakabe, der muss sich auf einen Sturm von Mobbing mit allem Mitteln gefasst machen, von Seiten der Kollegen und des Arbeitgebers: Das sogenannte „Mata-Hara“ soll die jungen Mütter aus ihrem Job rausdrängen. 

70% der Japanerinnen geben deshalb mit dem ersten Kind auf. Sayaka Osakabe ist eine der wenigen, die sich traute, vor dem Arbeitsgericht zu klagen und die dort auch noch Recht bekam. Seitdem hilft sie anderen Frauen. Hinzu kommt, dass die alte Macho-Tradition den Interessen der Industrie eigentlich zuwiderläuft: In Japan fehlen Arbeitskräfte, eigentlich müssten sie die Frauen in Massen ermutigen zu arbeiten, auch mit Kindern. Denn die arbeitsfähige Bevölkerung schrumpft: Von 87 Millionen noch 1995 sank sie 2013 auf 66 Millionen, bis 2030 sollen es sogar nur noch 57 Millionen sein.
 

Sayaka Osakabe wurde als erste Japanerin mit dem "International Woman of Courage Award" ausgezeichnet, der seit 2007 jährlich vom Außenministerium der Vereinigten Staaten zum Weltfrauentag vergeben wird.

Von Marjolaine Grappe, Christophe Barreyre, Makiko Segawa – ARTE GEIE – OrientXpress – Frankreich 2015

 

Zahlen, Daten, Fakten

In welchen Ländern dieser Welt arbeiten die Frauen und wieviel? Und wo ist das Kind immer noch Karriere-Killer Nummer eins?

Les femmes et le marché du travail

 Von Anne-Charlotte Varyn und Loïc Bertrand

 

 

Teilzeitarbeit zur Vereinbarung von Job und Familie?

In Osteuropa ist das Modell der Teilzeitarbeit weit weniger verbreitet als in Nord- und Mitteleuropa. Doch in allen europäischen Ländern sind es vor allem die Frauen, die in Teilzeit arbeiten. Das liegt unter anderem auch an der noch klassischen Rollenverteilung im Haushalt: Pro Woche kümmern sich Frauen durchschnittlich 20,5 Stunden um den Haushalt, Männer nur 8,5 Stunden. Selbst wenn Tätigkeiten wie Gartenarbeit und Heimwerkertätigkeiten dazu kommen, sind Frauen den Männern noch 10 Stunden voraus. 

 

Aufbereitet von Donatien Huet, Janina Schnoor und Charlotte Schranz

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016