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Literaturnobelpreisträger Dario Fo ist tot

Länder: Italien

Tags: Literaturnobelpreis, Autor

Er war ein Meister der Satire - deshalb fürchteten ihn die Mächtigen, die er in seinen Stücken bloßstellte. Dafür wurde Dario Fo sogar mit dem Nobelpreis gewürdigt. Nun ist der selbst ernannte Clown im Alter von 90 Jahren gestorben.

Macht des Theaters

Italien habe mit Fo einen der "großen Charaktere" seines Theaters und seiner Kultur verloren, sagte Regierungschef Matteo Renzi am Donnerstag. Sich selbst bezeichnete Fo als Clown: Er war der Ansicht, das jede Macht nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott fürchte. Satire sei letztlich nichts anderes als das schlechte Gewissen der Macht. Schwere Kost, wie etwa Shakespeare sie schuf, lag ihm nicht. "Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst", sagte Dario Fo, als er 1997 den Literaturnobelpreis erhielt.

 

Noch 2011 tweete Dario Fo: Lachen ist heilig.
 
Direkt von der Bühne enthaftet

Geboren am 24. März 1926 in der norditalienischen Gemeinde Sangiano nahe dem Lago Maggiore, wuchs Fo zwischen Fischern, Schmugglern und Geschichtenerzählern auf. Von ihnen lernte er das Schauspielern und Erzählen lieben. Später im Theater verkörperte er lüsterne Päpste, skurrile Politiker und redegewaltige Trunkenbolde. "Wir sind Flegel, und wie alle Flegel dieser Welt gefällt es uns zu lachen und zu spotten, grotesk, vulgär und manchmal auch possenhaft zu sein", sagte Fo einmal.
Das blieb nicht ohne Konsequenzen: Fo wurde rund 40 Mal wegen Beleidigung und Verhöhnung der Mächtigen vor Gericht geladen. Mehrmals wurde er gleich von der Bühne abgeführt.

 

"Dario ist ein Monument, ich bin seine Basis"

1959 gründete Fo zusammen mit seiner Frau Franca Rame die Theatergesellschaft "La compagnia Dario Fo - Franca Rame." Seit Ende der 1960er Jahre feierte das Paar Erfolge, die vor allem Fo schnell über die Grenzen der Heimat hinaus berühmt machten. Sie standen oft gemeinsam auf der Bühne, waren fast 60 Jahre lang ein eingespieltes Paar, im wörtlichen wie im sprichwörtlichen Sinne. Über 70 Stücke schrieb er mit ihr - deswegen sprach er ihr die Hälfte seines Literaturnobelpreises zu. "Dario ist ein Monument, ich bin seine Basis", pflegte Franca zu sagen. Denn ohne Basis könne eine Statue nicht stehen.

 

 
Bis zum Ende politisch

Fo setzte sich auch kritisch mit der Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi auseinander. Politik war stets zentral in seinem Leben, er kannte keine Tabus, die Provokation war sein täglich Brot. Selbst ein Schlaganfall im Sommer 1995 brachte ihn nicht zum Schweigen: 2006 kandidierte er zum zweiten Mal - vergeblich - für das Amt des Bürgermeisters in Mailand. Später schloss er sich der von dem Komiker Beppe Grillo gegründeten Fünf-Sterne-Bewegung an.

Zuletzt geändert am 13. Oktober 2016