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Italien – Kampf der Olivenbäume

Länder: Italien

Tags: Olivenöl, Bakterien

Der Europäische Gerichtshof erklärt die von der EU verordnete Rodung von Olivenbäumen zur Bekämpfung der Bakterie Xylella für zulässig.

Am 9. Juni 2016 verkündete der EuGH sein Urteil: Das Fällen gesunder Olivenbäume, die weniger als 100 Meter von einem kranken Baum entfernt stehen, ist von nun an zulässig und durch das Vorsorgeprinzip gerechtfertigt. Seit Ende 2013 breitet sich in Italien eine hochansteckende Bakterie namens Xylella aus, die Bäume so stark austrocknen lässt, dass diese meist ganz absterben.

Die Maßnahme steht in einem angemessenen Verhältnis zum Ziel des Pflanzenschutzes in der Union, heißt es in einer Mitteilung, die von der Seite Euractiv aufgegriffen wurde. Die Europäische Kommission hatte angesichts der Tragweite des Problems vorgeschlagen, in der süditalienischen Provinz Lecce auch gesunde Bäume zu fällen und zu zerstören, um so einer weiteren Ausbreitung vorzubeugen. Die Gegend ist insgesamt so stark von Xylella betroffen, dass eine Ausrottung der Bakterie als Ding der Unmöglichkeit angesehen wird.

 

Pontius Pilatus

 

Es wird geschätzt, dass die Region Apulien, in der auch die Provinz Lecce liegt, rund 10 % ihrer gut 11 Mio. Olivenbäume einbüßen könnte – dabei sind diese Grundlage für einen der wichtigsten Wirtschaftszweige der Region. Lokale Staatsanwälte hatten sich auf die Seite der Erzeuger geschlagen hatten, welche natürlich ihren Lebensunterhalt nicht verlieren wollten, und 2015 erreicht, dass die Rodung nicht befallener Bäume gestoppt wurde. Das aktuelle Urteil des EuGH wird in dieser Region im Süden Italiens definitiv erneut für Empörung sorgen.

Coldiretti, die größte italienische Vereinigung landwirtschaftlicher Verbände, hat die Entscheidung übrigens verurteilt und sogar einen Vergleich mit Pontius Pilatus herangezogen. Ihr Vertreter in Apulien wirft der EU vor, „die Hände in Unschuld zu waschen“ und die lokalen Erzeuger, die bisher selber mit dem Problem recht gut umzugehen wussten, zu verraten.

 

Zuletzt geändert am 16. Juni 2016