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Identität des Reina-Attentäters geklärt

Länder: Türkei

Tags: Terror, Anschlag, Istanbul

Die Identität des Angreifers auf eine Silvesterparty in Istanbul ist den türkischen Behörden nach Angaben des Außenministers bekannt. Die Personalien des Täters seien festgestellt worden, sagte Mevlüt Cavusoglu in einem Gespräch mit der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Details nannte er jedoch nicht. Die Fahndung nach dem Flüchtigen dauere an. Zu dem Angriff in der Silvesternacht auf den Club Reina mit 39 Toten hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat bekannt. Die Behörden veröffentlichten unterdessen neue Fahndungsbilder des Verdächtigen, auf denen das Gesicht des Gesuchten klar zu erkennen ist.

Der Attentäter attackierte den bei Prominenten und Touristen beliebten Nachtclub am Bosporus-Ufer, als das neue Jahr in der Türkei gerade einmal eine gute Stunde alt war. In dem Club feuerte er nach Angaben der Behörden wahllos um sich. Insgesamt wurden mindestens 39 Menschen getötet und 65 weitere verletzt. In dem auf der europäischen Seite von Istanbul gelegenen Club mit mehreren Restaurants und Tanzflächen hielten sich zur Silvesterfeier bis zu 800 Menschen auf.

 

Viele Ausländer unter den Opfern, mindestens ein Deutscher

Die türkische Familienministerin Fatma Betul Sayan Kaya sagte, es seien vor allem Bürger arabischer Staaten unter den Opfern. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete in der Nacht zu Montag unter Berufung auf Quellen im Justizministerium, elf der bislang 38 identifizierten Toten seien Türken gewesen. Je drei Tote stammten aus dem Libanon und dem Irak, je zwei aus Tunesien, Marokko, Jordanien und Indien. Jeweils ein Opfer sei aus Kuwait, Kanada, Israel, Syrien und Russland gewesen. Auch zwei Männer aus Bayern kamen ums Leben. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden drei deutsche Staatsangehörige verletzt. 

 

Erdogan entschlossen im Kampf gegen den Terror

Sie wollen die Moral unseres Landes zerstören und Chaos verbreiten, indem sie mit diesen schändlichen Angriffen gezielt Zivilisten attackieren.

Präsident Recep Tayyip Erdogan

Am Montag hatte die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) den Anschlag für sich beansprucht. Das Attentat sei von einem "Soldaten des Kalifats" verübt worden, hieß es in einer im Internet verbreiteten Erklärung des "IS".

"Sie wollen die Moral unseres Landes zerstören und Chaos verbreiten, indem sie mit diesen schändlichen Angriffen gezielt Zivilisten attackieren", erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag. Die Türkei sei aber entschlossen, "den Kampf gegen den Terror" fortzusetzen. Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin sagte, der Attentäter habe "auf die brutalste und gnadenloseste Weise auf unschuldige Menschen gezielt".

Der Clubbesitzer Mehmet Kocarslan verurteilte den Angriff. "Unser Herz blutet", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Trotz der zuletzt massiv verstärkten Sicherheitsvorkehrungen sei dieser Anschlag passiert - ihm fehlten die Worte. Das Attentat weckte auch Erinnerungen an die islamistische Attentatserie in Paris vom November 2015, als allein in der Pariser Konzerthalle Bataclan dutzende Menschen getötet wurden.

 

Ein "menschenverachtender und hinterhältiger Anschlag"

International wurde das Attentat scharf verurteilt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete in einem Beileidschreiben an Erdogan das Attentat als "menschenverachtenden und hinterhältigen Anschlag". Auch Bundespräsident Joachim Gauck äußerte "Trauer und Entsetzen" über die "perfide Tat". Papst Franziskus verurteilte in seinen Neujahrswünschen die Gewalt in Istanbul. Der Fußballprofi Lukas Podolski, der für den Istanbuler Club Galatasaray spielt, twitterte: "Betet für Istanbul."

 

17.000 Polizisten an Silvester im Einsatz

Das "Reina" ist eine der schicksten Adressen in Istanbul und bei Prominenten sehr beliebt. Nur wenige hundert Meter weiter fanden die offiziellen Silvesterfeierlichkeiten statt. Wegen der Anschlagsgefahr waren in Istanbul 17.000 Polizisten im Einsatz, es galten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen in der Innenstadt. Die Türkei war im vergangenen Jahr von mehreren blutigen Anschlägen erschüttert worden, zu denen sich die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) oder militante Kurden bekannten. 

Zuletzt geändert am 4. Januar 2017