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Ist das Steuersystem ungerecht?

Länder: Europäische Union

Tags: durchgecheckt, Steuern, Steuersysteme

Thomas Piketty zufolge bezahlen Superreiche immer weniger Einkommensteuer. Dennoch wollen fast alle europäischen Staaten den Grenzsteuersatz weiter senken.

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Einheitssteuer, Kopfsteuer, progressive Steuer - wo liegt der Unterschied?

Einheitssteuern werden zu einem festen Satz auf Einkommen (wie Lohnsteuer oder Kapitalertragssteuer) oder Konsum (wie bei der Mehrwertsteuer) erhoben. Auf diese Weise wird der Lebensstandard des Steuerpflichtigen proportional zu den verfügbaren Ressourcen bzw. getätigten Ausgaben gesenkt.

Bei der progressiven Steuer steigt die Steuer, die auf das Einkommen erhoben wird, in Staffelungen umso stärker, je höher dieses Einkommen ist. Das heißt, bei einem niedrigen Einkommen ist auch der Steuersatz niedrig. Einkünfte, die über bestimmten festgelegten Schwellenwerten liegen, werden mit einem entsprechend höheren Steuersatz besteuert. Als der französische Präsident François Hollande vorschlug, einen Spitzensteuersatz von 75 % einzuführen, wollte er also nicht, dass die reichsten Franzosen 75 % ihrer Gesamteinnahmen als Steuer abführen müssen, sondern nur den Anteil ihres Einkommens, der über dem höchsten Schwellenwert liegt, mit 75 % besteuern – also alle Einkünfte über einer Million Euro. Für Ökonomen, die der keynsianischen Wirtschaftstheorie anhängen, trägt diese Besteuerungsart dazu bei, Ungerechtigkeiten zu beseitigen.

Bei der Kopfsteuer zahlt jeder Steuerpflichtige den gleichen Betrag, und zwar unabhängig von seinem Einkommen. Diese Besteuerungsform verschärft die Steuerungerechtigkeit, da der ärmere Teil der Bevölkerung genauso viel zahlen muss wie der reichere, was allerdings im Verhältnis zu den jeweiligen Einkommen bei den Ärmeren deutlich mehr ist als bei den Reicheren. Weitere Informationen.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016