Israel: Kein Ort mehr für Flüchtlinge

Länder: Israel

Tags: Illegale Einwanderung

Seit zwei Jahren kommen immer mehr Flüchtlinge aus Afrika nach Israel: 2009 waren es 3600, 2010 schon 35 000 Männer, Frauen und Kinder, die nach einem langen Marsch durch die Wüste die kaum bewachte Grenze zwischen der ägyptischen Halbinsel Sinai und der israelischen Negevwüste überquerten – so viele, das die Regierung Netanjahu jetzt für sie ein "Internierungslager" an der Grenze zu Ägypten bauen will.

Die meisten der Flüchtlinge kommen aus den von Bürgerkriegen zerrütteten Staaten Ost-Afrikas, aus dem Sudan, der Region Darfur, aus Eritrea aber auch aus Nigeria und der Elfenbeinküste. Israel hat bis heute kein Asylgesetz und war auch deshalb bis vor zwei, drei Jahren für Flüchtlinge ein "gelobtes Land".

Viele von ihnen fanden Arbeit, natürlich halblegal bis illegal, doch nun sind es so viele, dass die Behörden hilflos reagieren: Zurzeit empfängt Israel die Flüchtlinge an der Grenze in einem provisorischen Übergangslager – wenn das zu voll wird, setzen sie ein paar Dutzend Menschen in Busse und fahren sie mitten rein nach Tel Aviv. Dort lassen sie sie aussteigen und ab da sind sie auf sich selbst angewiesen.

Natürlich sorgt das für Ärger: Die Tel Aviver beschweren sich, diese "Eindringlinge" nähmen ihnen Wohnungen und Arbeitsplätze weg, die rechten Politiker reden von einer "tickenden demographischen Zeitbombe", die Vereinigung für Menschenrechte beklagt die "humanitäre Katastrophe". Nun handelt der Regierungschef auf seine Weise, indem er auf die Ängste der Bevölkerung setzt: "Die Welle muss gestoppt werden", sagt er und plant ganz pragmatisch für die künftigen Flüchtlinge das Internierungslager, auch als ein klares Zeichen: Der jüdische Staat ist kein Zufluchtsort mehr für Flüchtlinge.

Eine reportage von Uri Schneider - ARTE GEIE / Teleaviv Productions – Deutschland 2011