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Island – Ist die Krise ebenso gesundheitsschädlich wie Tabak?

Länder: Island

Tags: Kind, Sparsamkeit

Eine Studie weist die negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Gesundheit von Neugeborenen nach.

Die Wirtschaftskrise schadet Ihrer Gesundheit und der Ihres Umfeldes. So könnte die Schlussfolgerung einer am 23. März auf der Wirtschaftsseite VoxEU.org veröffentlichten Studie lauten. Unter dem Titel „Die verborgenen Opfer der Weltwirtschaftskrise“ hat die an der Wirtschaftshochschule in Kopenhagen tätige isländische Finanzprofessorin Arna Vardardottir die schädlichen Auswirkungen der Wirtschaftskrise untersucht, unter der ihr Land 2008 schwer zu leiden hatte.

 

Damals war das gesamte Bankensystem des Inselstaats innerhalb von wenigen Wochen zusammengebrochen, die Währung hatte die Hälfte ihres Werts verloren und das Land und seine Bevölkerung waren wirtschaftlichen Turbulenzen, Prekarität und Arbeitslosigkeit ausgesetzt. Arna Vardardottir hat die Schockwelle der Krise anhand der Geburtsstatistiken untersucht. „Der Einbruch war ebenso plötzlich wie unerwartet, deshalb konnte ich die Daten zu den vor der Krise geborenen Kindern mit denen der Kinder vergleichen, deren Mütter zum Zeitpunkt des Krachs im ersten bis dritten Monat schwanger waren“, zitiert Le Monde die Forscherin.

 

66 Gramm leichter

 

Ihre Untersuchungen ergaben, dass während der Krise geborene Kinder im Durchschnitt 66 Gramm weniger wogen als jene, die vor der Krise das Licht der Welt erblickt hatten. Zudem ist die Zahl von Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht von unter 2,5 Kilogramm gestiegen, während immer weniger Säuglinge mit mehr als 4 Kilo auf die Welt kamen. Die Studie lässt keinen Zweifel daran zu, dass finanzielle Sorgen, Angst vor Arbeitslosigkeit oder einem knappen Monatsende keine guten Bedingungen für den Verlauf einer Schwangerschaft sind. Der Gewichtsverlust der Babys wäre demnach eine direkte Folge von Stress und Angst der Mütter in Krisenzeiten.

„Meine Ergebnisse zeigen, dass sich eine plötzliche Verschlechterung der Finanzsituation negativ auf die Geburt auswirkt und dass Embryos in den ersten Schwangerschaftsmonaten besonders anfällig für solche Schocks sind“, bestätigte die Professorin gegenüber The Guardian.  

 

Der Studie zufolge ist das Ausmaß der Gewichtsverluste bei „Krisenbabys“ mehr oder weniger mit den Werten vergleichbar, die bei rauchenden Müttern verzeichnet werden.

Arna Vardardottir hat außerdem festgestellt, dass der von der Krise verursachte Stress größere Folgen für den Nachwuchs hat als andere bereits untersuchte Traumata wie zum Beispiel Trauerfälle oder Erdbeben.