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Island – Die Qual der Wale

Länder: Island

Tags: Umwelt, Walfang

Island gehört zu den wenigen Nationen, in denen der kommerzielle Walfang noch offiziell erlaubt ist. Als nun 1700 Tonnen Walfleisch nach Japan exportiert werden sollten, gingen lokale Umweltschützer auf die Barrikaden.

Hier geht es um Tierschutz.  Ein Tier von dieser Größe kann man einfach nicht schmerzlos töten“, erklärte Sigursteinn Másson, der isländische Sprecher des Internationalen Tierschutzfonds (IFAW), am 19. Mai der AFP. Mit Blick auf internationale Abkommen fordern er und lokale Umweltschützern ein Verbot des Walfangs mit der Harpune. Auslöser der Protestwelle war der geplante Export von 1700 Tonnen isländischen Walfleischs nach Japan. 

 

Als die Nachrichtenseite Eyjan die Exportpläne aufdeckte, hatte sich die Abfahrt des Schiffes durch technische Probleme bereits um zwei Wochen verspätet. „Das ist nicht illegal“, verteidigte sich Kristján Loftsson, der Geschäftsführer der Walfanggesellschaft Hvalur hf. Tatsächlich hat die isländische Regierung den Handel mit dem Fleisch des Meeressäugers nie ausdrücklich verurteilt.

 

In Island „wird dieses Fleisch nicht benötigt“

 

Island, Norwegen und Japan sind die einzigen Länder der Welt, die das Moratorium von 1986 über kommerziellen Walfang nicht ratifiziert haben. Und es stattdessen ständig verletzen: allein 2014 wurden 134 Finnwale und 24 Zwergwale mit der Harpune getötet. Die Internationale Walfangkommission hat Island bei ihrer letzten Sitzung im September 2014 in Slowenien stark kritisiert; die Regierung in Reykjavik verteidigte sich jedoch mit dem Argument, dass vertretbare Fangmengen eingehalten würden.

 

In Island „braucht man dieses Fleisch nicht, und für die Fischerei ist es sicher nicht notwendig“, empörte sich Sigursteinn Másson vom IFAW. Tatsächlich wird die Nachfrage nach Walfleisch in Island immer geringer, wie übrigens auch im Hauptabnahmeland Japan. Dass der Walfleischexport zudem selten problemlos verläuft, zeigt ein Vorfall vom März 2015, als eine norwegische Lieferung noch vor ihrer Ankunft in der japanischen Inselgruppe vernichtet werden musste, weil sie zu viele Pestizide enthielt.

 

Der Walfang zu kommerziellen Zwecken hatte die Populationen des Meeressäugers jahrzehntelang stark dezimiert; seit dem offiziellen Verbot verzeichnen Tierschützer eine Zunahme der Tiere in den meisten Lebensräumen.  

Franck Berteau

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016