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Islamische Welt verurteilt Charlie Hebdo

Länder: Türkei

Tags: Charlie Hebdo, presse

Charlie Hebdo ist wieder am Kiosk - und wieder mit einer Mohammed-Karikatur auf dem Titelblatt. Die Nummer eins des französischen Satiremagazins nach dem blutigen Anschlag vom 7. Januar war sofort vergriffen. Aus der islamischen Welt kam massive Kritik. Mut zeigte die linksnationalistische türkische Zeitung Cumhuriyet. Sie war das einzige Blatt, das es wagte, in einem islamisch geprägten Land Teile von Charlie Hebdo nachzudrucken. Problemlos ging das aber nicht. Ihre Redaktion in Istanbul steht unter massiver Bewachung.

 

1924

Kemal Atatürk verkündet Cumhuriyet

 

Mutige Cumhuriyet

Die Türkei vor Erdogan war ein säkularer Staat. Eine Stimme gegen die zunehmende Islamisierung des Landes durch die regierende AKP ist die Zeitung Cumhuriyet - Republik. Das von Kemal Atatürk 1924 gegründete linksnationalistische Blatt wagte es als einziges in der muslimischen Welt, Charlie Hebdo nachzudrucken. In der Vergangenheit zahlten die Journalisten der Cumhuriyet einen hohen Preis: sie durchlitten Anschläge, Prozesse, Haftstrafen - und auch jetzt werden sie wieder bedroht.

Zuerst aber musste sich Cumhuriyet wie so oft eine Polizeikontrolle gefallen lassen. Die Charlie-Hebdo-Ausgabe wurde bereits auf dem Druckereigelände überprüft. Danach hatten die Lieferwagen freie Fahrt.

Die Redaktion hatte es jedoch vermieden, das Titelblatt mit dem weinenden Propheten zu abzudrucken. Die friedliche Mohamed-Karikatur erschien nur im Innenteil in Mini-Größe. Das ging durch. Chefredakteur Utku Cakirözer unterstrich, die Redaktion habe nichts veröffentlicht, das irgendwelche Glaubensinhalte verletze, seien diese nun muslimisch, christlich oder jüdisch.

Drei türkische Satire-Zeitungen zeigten sich solidarisch. Sie erschienen mit einem geschwärzten Titelblatt und dem Aufdruck "Je suis Charlie" - "Ich bin Charlie". Am Nachmittag ging es noch einmal gegen das Original-Titelblatt. Ein Gericht in Diyabarkir ordnete die Sperrung aller Internet-Seiten an, die das inkriminierte Titelblatt zeigen. 

 

Das Titelblatt ist "eine echte Provokation für Muslime".

Vertreter der Al-Ashar-Universität - 14/01/2015

Der Prophet darf nicht weinen


Der Prophet hat eine Träne im Auge, er trägt ein Plakat mit der Aufschrift "Je suis Charlie". Dieses Titelblatt der neuen Ausgabe von Charlie Hebdo schürt nach Auffassung der islamischen Al-Ashar-Universität den Hass. Al-Ashar in Kairo ist das geistige Zentrum des sunnitischen Islam. Ein Vertreter nannte das Titelblatt "eine echte Provokation für Muslime". Er empfahl, Charlie Hebdo zu ignorieren. Das Festhalten der Satirezeitschrift an Abbildungen Mohammeds schade dem friedlichen Zusammenleben der Volksgruppen. Dies behindere die Integration der Muslime in westliche Gesellschaften. Die Al-Ashar-Universität hatte den Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo mit 12 Todesopfern als Verstoß gegen den Islam verurteilt.

Auch das Fatwa-Amt Ägyptens bezeichnete das neue Titelblatt als "Provokation" für die 1,5 Milliarden Muslime weltweit, die zu einer "neuen Welle des Hasses" führen werde. Man achte die Meinungsfreiheit, erklärte Dar al-Ifta. Aber andere müssten die Liebe der Muslime zum Propheten verstehen. Daher behindere die neue Ausgabe von Charlie Hebdo das friedliche Zusammenleben und den kulturellen Dialog. In Ägypten nahmen die Tageszeitungen kaum Notiz von der neuen Ausgabe von Charlie Hebdo.  

 

Der Anschlag auf Charlie Hebdo am 7. Januar war "unislamisch".

Sprecherin des iranischen Außenministers - 14/01/2015

Teheran warnt vor neuem Terror


Auch der Iran, selbsternannte Schutzmacht der Schiiten, stimmte in die Verurteilung ein. Außenminister Mohammad Javad Zarif rief in Genf dazu auf, religiöse Überzeugungen anderer zu achten. Seine Sprecherin nannte das Titelblatt "eine Beleidigung" für Muslime. Sie warnte in Teheran, der weinende Prophet auf dem Titelblatt könne erneut Terror provozieren. Den Anschlag auf Charlie Hebdo am 7. Januar verurteilte sie als "unislamisch". Sie bedauerte aber auch den "im Westen üblichen Missbrauch der Meinungsfreiheit".   

 
 

Die Veröffentlichung der neuen Ausgabe von Charlie Hebdo ist eine "extrem dumme Aktion".

Radiosender der Terrormiliz Islamischer Staat - 14/01/2015

Proteste aus der islamischen Welt lassen nicht nach  -  IS droht

Der Grossmufti von Jerusalem, höchste religiöse Autorität in den Palästinensergebieten, nannte die Mohammed-Zeichnung eine Beleidigung. Muslimen ist es verboten, Gott oder den Propheten Mohammed abzubilden.

Der Weltrat islamischer Geistlicher mit Sitz in Katar verurteilte, dass die Satirezeitung erneut den Propheten beleidige oder den Islam angreife. Dies sei weder vernünftig, noch logisch, noch weise.

Die britische Tageszeitung The Independent zitierte einen radikalen islamischen Prediger, der das Titelblatt einen "Kriegsakt" nannte, was nach der Scharia mit dem Tod bestraft werde.

Eine Drohung kam vom Radiosender des dschihadistisch-terroristischen "Islamischen Staates", der Teile Syriens und Iraks kontrolliert. Dort hieß es, die neue Ausgabe von Charlie Hebdo zu veröffentlichen sei eine "extrem dumme Aktion".

Auf den Philippinen demonstrierten 1.500 Menschen gegen die Karikaturen. In der zumeist muslimischen Stadt Marawi wurde ein Charlie-Hebdo-Plakat verbrannt. Die Veranstalter des Protestmarsches nannten den Anschlag in Paris eine moralische Lektion. Die Welt habe jede Religion zu respektieren, besonders aber den Islam.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016