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Irland: Abtreibung, eine Frage des Geldbeutels

Länder: Irland

Tags: Abtreibungsrecht

In einem Land, in dem die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs noch  immer auf sich warten lässt und auf illegale Abtreibungen lange Haftstrafen stehen, kümmern sich Familienberatungsstellen um mittellose Frauen. 

 

Tausende Irinnen lassen Schwangerschaftsabbrüche im Ausland vornehmen. Denn in Sachen Abtreibung ist Irland eines der Länder mit den schärfsten Gesetzen in Europa. Doch was tun, wenn man weder die Mittel noch das Recht hat, Irland zu verlassen? Genau diese Frage stellt die Irische Familienberatung IFPA in einem Artikel der Irish Times.

Laut der Tageszeitung haben sich zwischen September 2013 und September 2014 rund 26 Migrantinnen in Irland hilfesuchend an die Organisation gewandt. „Zwar ist in der Verfassung das Recht verankert, ins Ausland reisen zu können, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Doch diese Frauen können dieses Recht aufgrund rechtlicher, sozialer und wirtschaftlicher Hürden nicht in Anspruch nehmen“, erklärt Evelyn Geraghty, Leiterin der Beratung bei der IFPA, im Interview mit der irischen Zeitung.

 

Eine unerbittliche Justiz

Asylbewerberinnen, Ausländerinnen ohne Papiere oder Frauen ohne ausreichendes Einkommen können das Land nicht verlassen und noch weniger die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch, die zwischen 600 und 2000 Euro liegen, tragen. Sie stecken in einer Sackgasse, zumal illegale Abtreibungen auf irischem Boden mit 14 Jahren Haft geahndet werden.

Seit der Volksbefragung im Jahr 1983 waren Schwangerschaftsabbrüche in Irland streng verboten. Im vergangenen Jahr haben die Abgeordneten das Gesetz jedoch durch eine Minimalklausel gelockert, und Abtreibungen sind nun in einem einzigen Falle zulässig. Nämlich dann, wenn die Schwangerschaft das Leben der Mutter gefährdet.

Im vergangenen August wurde einem Vergewaltigungsopfer die Möglichkeit zur Abtreibung verwehrt. In einem Interview mit The Irish Times sagte sie, dass sie „lieber sterben würde, als das Kind eines Vergewaltigers auszutragen“. Nach einem Selbstmordversuch wurde sie in ein Krankenhaus eingewiesen. Auch Hunger- und Durststreik änderten nichts: Der Schwangerschaftsabbruch wurde von der irischen Justiz nicht genehmigt. 

 

Nadine Ayoub

ZUR STARTSEITE VON VOX POP

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016