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Irische Stars fordern Recht auf Abtreibung

Länder: Irland

Tags: Droit à l', Abtreibung

Schwangerschaftsabbruch steht in Irland immer noch unter Strafe. 240 irische Promis fordern eine Gesetzesänderung.

 

In Irland haben 240 bekannte Persönlichkeiten aus Literatur, Film, Musik und Kunst gemeinsam eine Kampagne gestartet und eine Petition ins Netz gestellt, in der sie die Streichung von Artikel 40.3.3 der irischen Verfassung fordern („Artists campaign to repeal the eighth amendment“).

Nachdem 1983 in einem landesweiten Referendum 67 % der Iren mit „Ja“ gestimmt hatten, wurden in einer 8. Verfassungsänderung der Schutz des Lebens einer Frau gleichstellt mit dem des ungeborenen Kindes und Artikel 40.3 entsprechend ergänzt. Damit war das Abtreibungsverbot verfassungsrechtlich verankert.

Ihre im Vorfeld der irischen Parlamentswahlen gestartete Internetkampagne erläutern die „Promis“ wie folgt: „Wir waren frustriert und äußerst enttäuscht darüber, dass trotz zahlreicher schockierender Fälle, in denen Frauen vernachlässigt oder aufgrund von Artikel 40.3.3 nur mangelhaft ärztlich versorgt wurden, offensichtlich immer noch der nötige politische Wille fehlt, um gegen dieses aus unserer Sicht vordringliche Problem anzugehen.“ Die Künstler erinnern an die Skandale, die das Land in jüngster Zeit erschüttert haben und die Todesfälle, die durch die Presse gingen, wie zum Beispiel den Fall einer gebürtigen Inderin, die 2013  in einem Krankenhaus an einer durch die Schwangerschaft verursachten Blutvergiftung starb. Eine Abtreibung war Savita Halappanavar verweigert worden, obwohl die Ärzte eine beginnende Fehlgeburt diagnostiziert hatten. In einem anderen Fall hatten Ärzte eine 26-Jährige, die in der 14. Schwangerschaftswoche war, trotz Hirntods intensivmedizinisch allein deshalb am Leben erhalten, weil das Kind theoretisch hätte gerettet werden können.

 

Erneutes Referendum

 

Die anstehenden Parlamentswahlen dürften die Diskussion um eine Aufhebung des Abtreibungsverbots neu entfachen. Wahrscheinlich wird es auch ein weiteres Referendum geben. Laut Le Parisien hat eine von Amnesty International durchgeführte Umfrage im Juli 2015 ergeben, dass 67 % der Iren für eine Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs sind und 81 % für eine Gesetzeslockerung. Vor zwei Jahren hatte das irische Parlament bereits ein Gesetz verabschiedet, das Abtreibungen in Ausnahmefällen erlaubt. Seitdem darf eine Schwangerschaft unterbrochen werden, wenn Lebensgefahr für die Mutter besteht. Dazu gehört auch ein drohender Suizid. Laut Gesetz liegt die Entscheidung darüber, ob das Leben der Schwangeren unmittelbar bedroht ist, bei den Ärzten. Für Vergewaltigungsopfer oder Schwangere, bei deren Fötus Fehlbildungen festgestellt werden, gilt das Abtreibungsverbot weiterhin. 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016