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Ende der Sanktionen: Der Iran hofft, der Ölpreis sackt ab

Länder: Monde

Tags: Iran, Erdöl, Sanktionen

Nach dem Aufheben der Sanktionen gegen den Iran betritt das Land den weltweiten Ölmarkt. Die Rückkehr kommt zu einem schlechten Zeitpunkt, denn mit dem erneuten Mitmischen des Irans wird die Negativspirale, in der sich der Ölwert seit Monaten befindet, weiter beschleunigt. Am Montag hat das Barrel Öl den tiefsten Preis seit 13 Jahren erreicht (unter 30 US Dollar je Barrel).

 

Das Ende des Embargos

Durch die Aufhebung der Sanktionen hat der Iran wieder Zugriff auf etwa 100 Milliarden Dollar, die auf ausländischen Konten eingefroren 
waren. Das Land kehrt auch auf den internationalen Weltmarkt zurück, kann erneut Verträge im Handels- und
Finanzsektor abschließen (die Waffen- und Raketentechnik ausgenommen) sowie Öl und Gas exportieren.

Ein von Rohöl überschwemmter Markt

Der weltweite Erdölverbrauch steigt kontinuierlich. Und trotzdem existiert ein Überschuss. Er ist auf neue Fördertechniken zurückzuführen und auch die Hauptursache für den dramatisch sinkenden Erdölpreis. Nun wird sich das Angebot durch die Rückkehr des Irans auf den Ölmarkt weiter erhöhen, womit wiederum der Preis weiter fallen düfte. Schon kurz nach der Ankündigung der Aufhebung des Exportverbots gegen den Iran fiel der Preis auf den niedrigsten Stand seit 2003 (unter 30 Dollar).

Die Mitgliedsstaaten der OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder) produzieren etwa eine Million Barrel pro Tag. Sie sind es, die sich gegen eine Kürzung der Produktion entschieden haben. Wichtigster Grund dafür ist ein Preiskampf, mit dem vor allem Saudi-Arabien seine Marktanteile verteidigen will. Der Protektionismus richtet sich in erster Linie gegen aufstrebende Produzenten aus den USA, die ihre Förderung durch die umstrittene Fracking-Technologie stark erhöht haben. Aber auch andere größere Föderländer wie Russland oder Kanada pumpen immer mehr Öl in den Markt. 

 

Infographik Iran Erdöl

 

Das Rekordtief und seine Konsequenzen

Das Rekordtief hat in den Börsen für Nervosität gesorgt, denn zu den Verlierern gehören nicht nur Länder, die am Verkauf von Erdöl profitieren, sondern auch Unternehmen. Die Krise des Erdölpreises kann unter anderem dazu führen, dass sie Stellen streichen. Der britische Energiekonzern BP beispielsweise hat zum Jahresbeginn angekündigt, in den kommenden zwei Jahren 4.000 Jobs zu streichen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Bahrain und Oman haben im Zuge des kontinuierlich sinkenden Ölpreises ihre Benzin-Subventionen reduziert. In Bahrain stiegen daraufhin die Preise an den Zapfsäulen um 60 Prozent. Ähnlich in Oman, wo man mit einem Preisanstieg von 33 Prozent rechnet.

In Russland hat der Ölpreisverfall Löcher in die Staatskasse gerissen. Darum hat Russland die Staatsausgaben um zehn Prozent senken müssen. Bei ihrer Haushaltsplanung für das laufende Jahr war die Regierung noch von einem durchschnittlichen Ölpreis von 50 Dollar pro Fass ausgegangen.

Vom Ölpreisverfall profitieren in erster Linie Endverbraucher sowie Unternehmen in Ölimportländern wie Deutschland. 

 

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Iran strebt Anschluss an

Der Export von Rohöl gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen des iranischen Staatshaushalts. Das Land galt vor den Sanktionen als einflussreicher Ölförderer und verfügt nach Saudi-Arabien, Kanada und Venezuela über die größten Rohölreserven weltweit. Darum ist die Aufhebung der Sanktionen für die brach liegende Wirtschaft des Irans eine gute Nachricht. 

Das Ölministerium des Landes möchte die Wirtschaft vor allem mit dem raschen Ausbau der Ölexporte wieder in Schwung bringen. Dafür hat das Ministerium am Montag angekündigt, die Produktion des Erdöls um 500.000 Barrel pro Tag zu steigern. Teheran strebt ebenfalls eine rasche Erhöhung der Ausfuhr an. Ob das gelingt, ist aber umstritten, da der Iran zunächst seine Ölindustrie modernisieren muss. Auch Irans Präsident Hassan Ruhani betonte, ein kurzfristiger Boom sei unrealistisch.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016