Irak: Der Sturm auf Falludscha

Länder: Irak

Tags: Irak, Rückeroberung, Falludscha

Nach zweieinhalb Jahren unter dem Joch des IS befreite die Armee des Irak die Stadt Falludscha endlich vom islamistischen Terrorregime…

Ende Mai begann die irakische Armee mit ihrer Offensive Falludscha zurückzuerobern, aus der Luft unterstützt von den Kampfflugzeugen der internationalen Koalition. Seit Februar 2014 litt die sogenannte Stadt der Moscheen, 50 Kilometer von Bagdad entfernt, unter dem Terrorregime des Islamischen Staats – sie war einer der wichtigsten Stützpunkte des IS.  

Die ARTE-Reporter waren in den letzten Wochen beim Sturm der irakischen Armee auf Falludscha dabei, sie durften die Soldaten in den verschiedenen Phasen der Befreiung begleiten – es war die bislang größte militärische Offensive gegen den Islamischen Staat in dieser Region.  

 

von Dominique Hennequin und Thierry Simonet - ARTE GEIE / Nomades – Frankreich 2016

Irak: Libérer Falloujah
Interview

 

Falludscha – Kein Frieden in Sicht

Falludscha liegt am Ufer des Euphrat und etwa 50 Kilometer von der irakischen Hauptstadt Bagdad entfernt – man nennt sie auch  die "Stadt der Moscheen". Die Mehrheit der Menschen in der Stadt ist sunnitischen Glaubens. Unter dem Diktator Saddam Hussein war sie bis 2004 eine Hochburg der regierenden Baath-Partei. Saddam Hussein unterdrückte während seiner Herrschaft die Iraker schiitischen Glaubens.    

Seit dem ersten Golfkrieg 1991 steht Falludscha immer wieder im Zentrum der Konflikte im Irak. Als Verbündete der Regierung in Bagdad war sie Ziel zahlreicher Bombenangriff der amerikanischen Truppen in beiden Golfkriegen – im zweiten Golfkrieg besetzten Soldaten der westlichen Alliierten die Stadt. 2004 stürzte Saddam Hussein.   

Im gleichen Jahr 2004 nahmen Aufständische in Falludscha amerikanische Wachtruppen der US-Firma Blackwater gefangen, töteten, verbrannten und verstümmelten ihre Leichname, ehe eine tobende Menge sie auf einer Brücke in Falludscha aufhängte. Bis zur Bildung der neuen irakischen Regierung 2011 blieb Falludscha von amerikanischen Truppen besetzt. Die neue Regierung in Bagdad war schiitisch geprägt – und so wurde Falludscha, die Stadt der Sunniten, wieder Schauplatz des Religionskriegs zwischen Sunniten und Schiiten.

Als im Jahr 2014 die Armee des Islamischen Staates Falludscha eroberte, wurden die neuen radikal-islamischen Herrscher von vielen Menschen in der Stadt jubelnd begrüßt, sie hofften auf die Gründung eines neuen Sunnistan, eines Staates der Sunniten. Lange schien der IS im Irak unbesiegbar – bis endlich im Mai 2016 eine neue Offensive der irakischen Armee startet, die, verbündet mit den Truppen einer allgemeinen Volksmobilmachung und mit Hilfe von Luftangriffen der internationalen Koalition, die Stadt vom Terror des IS jetzt befreite. Kaum ist der IS vertrieben, kochen schon wieder die Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten in Falludscha hoch…  

 

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Zuletzt geändert am 30. Juni 2016