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Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung ICAN erhält den Friedensnobelpreis

Länder: Norwegen

Tags: Friedensnobelpreis, Nobelpreis

Als letzter der traditionellen Nobelpreise wurde am Freitag der Friedensnobelpreis an die Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung ICAN verliehen. Die Organisation erhalte die Auszeichnung für "ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken", wie das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekanntgab. ICAN habe sich bahnbrechend um ein vertragliches Verbot solcher Waffe bemüht. 

Der Anti-Friedensnobelpreis

Welcher Staatschef ist in diesem Jahr besonders durch Kriegstreiberei aufgefallen? Hier finden Sie unsere subjektive Liste der Nominierungen. 

ICAN ist ein Bündnis von rund 450 Mitgliedsorganisationen in aller Welt. Seit 2007 kämpft das Bündnis gegen den Widerstand der Atommächte und vieler anderer Länder dafür, Atomwaffen per internationalem Vertrag zu verbieten. Es mobilisiert Atomwaffengegner in aller Welt, bearbeitet Regierungen und hat so das kaum für möglich Gehaltene geschafft: Im Juli 2017 wurde in New York der Internationale Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen unterzeichnet. Er verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen. Bislang haben aber weder die Atommächte USA, Russland, Großbritannien, China, Indien, Pakistan und Israel noch Deutschland und die anderen Mitglieder des nordatlantischen Atombündnisses den Vertrag ratifiziert. 

Die Folgen eines Atomschlags sind so verheerend, dass kaum einer darüber nachdenken will."

Beatrice Fihn, Geschäftsführerin von ICAN

"Die Folgen eines Atomschlags sind so verheerend, dass kaum einer darüber nachdenken will", sagte Beatrice Fihn, Geschäftsführerin von ICAN, der Deutschen Presse-Agentur vor der Preisverkündung. "Politker sagen: "Ihr Aktivisten versteht davon nichts, bei den Atomwaffen geht es um strategische Sicherheit". Aber wir haben Atomwaffen mit diesem Vertrag wieder zu einer humanitären Frage gemacht." 

In diesem Jahr waren 215 Personen und 103 Organisationen für den Friedensnobelpreis nominiert. 2016 hatte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos den Preis bekommen. Er wurde für sein langes Ringen um ein Ende des mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkriegs in seinem Land geehrt. Mehrere Experten sahen in diesem Jahr den Kampf gegen Atomwaffen als zentrales Thema. 

Der mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis wird als einzige der renommierten Auszeichnungen nicht in Stockholm, sondern in Norwegens Hauptstadt Oslo vergeben. Hier wird der Preis am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, auch verliehen.

Die Preise gehen auf Nobels Testament zurück. Hier hatte der Dynamit-Erfinder festgelegt, dass derjenige geehrt werden solle, der "am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen" gewirkt hat.