Flüchtlinge: Drei Länder, drei Integrationsmodelle

Länder: Europäische Union

Tags: Flüchtlinge, intégration

1,1 Millionen Flüchtlinge kamen 2015 nach Deutschland. Doch auch andere europäische Länder haben Schutzsuchende aufgenommen. ARTE Journal zeigt in seiner Reportagereihe drei Integrationsmodelle: von Sprachkursen in Deutschland, Ausbildungsprogrammen in Italien bis hin nach Estland, das tief gespalten ist in Bezug auf die Flüchtlingsaufnahme.

 

Nach den Übergriffen auf Frauen in Köln verschärft Deutschland den Ton 

Das Land hat bewiesen, dass es eines der aktivsten hinsichtlich der Integration der Migranten ist. Berlin hat im November Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Verfahren zu beschleunigen und die Ausweisung ins Heimatland im Falle einer Ablehnung zu vereinfachen.

Doch infolge der gewalttätigen Ausschreitungen zu Silvester in Köln hat Berlin seine Bedingungen verschärft: Die Grenzkontrollen wurden wieder aufgenommen und eine gewisse Zahl an Flüchtlingen wurde nach Österreich zurückgeschickt. Künftig soll eine Bewährungsstrafe ausreichen, um eine Anerkennung als Flüchtling zu verhindern, bisher war das bei einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren der Fall. Deutschland hat den Ländern, die das Quotenprinzip ablehnen, vor allem Ungarn, Polen, Tschechien und Slowakei, gedroht, die von der Europäischen Union ausgeschütteten Strukturfonds zu kürzen.

 

 

Deutschland Integration

 

Italien steht unter Druck

Das Land sieht sich aufgrund des Zuwanderungsdrucks mit echten menschlichen Tragödien konfrontiert. 2014 wurde ein Budget von 628 Millionen Euro – teilweise gedeckt durch EU-Fonds – zur Verwaltung der Flüchtlinge bewilligt.

In diesem Zusammenhang haben etwa dreißig Kommunen in Norditalien ein Netzwerk von vielen kleinen Aufnahmestellen auf den Weg gebracht, um die Spannungen zwischen den Gemeinden und den Flüchtlingen zu mindern. Es gibt auch zahlreiche von humanitären Organisationen und Privatpersonen ins Leben gerufene Initiativen. Einige Hotels bieten Betten an, während andere, wie zum Beispiel die Kooperative K-pax, Italienischkurse, Taschengeld, medizinische und schulische Versorgung und Unterstützung bei der Suche nach einer Arbeitsstelle oder Wohnung anbieten. 

 

Italien Integration

 

Estland sträubt sich, Flüchtlinge aufzunehmen

Bisher wurde in Estland noch  keine Maßnahme zur Integration von Flüchtlingen umgesetzt, abgesehen von einer finanziellen Unterstützung von 90 € pro Monat und Person.

Das fehlende Engagement des Landes hinsichtlich der Integration von Migranten lässt sich mit seinem historischen Werdegang erklären. Die baltischen Länder waren bisher noch nie mit Flüchtlingswellen aus Nordafrika und dem Nahen Osten konfrontiert. Außerdem ist Estland immer noch gezeichnet von der sowjetischen Besetzung, unter der es noch bis 1991 stand. Erst kürzlich hat das Land seine Sozialausgaben gekürzt, um der Eurozone beitreten zu können. Bis 2013 bewilligte der Staat nur etwa 20 Personen pro Jahr Asyl.

 

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Die EU will Flüchtlinge nach Quoten verteilen

Die Europäische Kommission möchte 160.000 Flüchtlinge weiterschicken, die sich auf ihrem Boden befinden. Das Kontingent, welches jedes Land aufnehmen soll, berechnet sich auf der Basis verschiedener Indikatoren, vor allem der Anzahl der Einwohner, dem BIP, der Arbeitslosenquote und der Zahl der bereits aufgenommenen Migranten. Einige Länder, die ihre Quote bereits überschritten haben, wie zum Beispiel Italien, sollen so die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge reduzieren können. 

 

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Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016