Indonesien: Gegen die Christen

ARTE Reportage - Samstag, 15. April 2017 - 17:00

Länder: Indonesien

Tags: Parlamentswahlen, Religion

Darf ein Christ die Stadt Jakarta regieren, mit ihren gut 90% Muslimen? Auf gar keinen Fall, sagen radikale Islamisten… 

Indonesien : radikaler Islam
Indonesien: Gegen die Christen Darf ein Christ die Stadt Jakarta regieren, mit ihren gut 90% Muslimen? Nein, sagen radikale Islamisten. Indonesien: Gegen die Christen

 

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta sorgt eine Gouverneurswahl seit Monaten für Unruhen. Der regierende Gouverneur Ahok ist einer der Kandidaten, ein Christ, der in diesem mehrheitlich muslimischen Land wegen seines Glaubens seit Monaten angegriffen wird. Radikale Islamisten behaupten, der Koran verbiete es den muslimischen Wählern, für einen Christen zu stimmen. Vor den Demonstrationen gegen ihn lag Ahok in den Umfragen bei 70% Zustimmung. Doch seitdem ist die Zustimmung der Bevölkerung gegen ihn zurückgegangen. Außerdem brachten die Islamisten ihn vor Gericht. Sein Verbrechen: In einer Rede wehrte er sich gegen die Angriffe der Islamisten. Dabei soll er behauptet haben, dass der Koran lügt. Ihm drohen dafür bis zu fünf Jahre Haft.

Steht Indonesien, das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt, vor einer Zeitenwende? Das Land ist kein Gottesstaat, sondern seit 20 Jahren eine säkulare Demokratie. Die Verfassung garantiert die Religionsfreiheit und schützt die vielen Minderheiten im Land: Christen, Hindus und auch verschiedene muslimische Sekten. Die indonesische Form des Islam gilt noch immer als weltoffen und tolerant. Aber seit einigen Jahren sind radikale islamistische Strömungen aus dem arabischen Raum auf dem Vormarsch. Mit ihrer strengen Auslegung des Korans und den Forderungen, in Indonesien die Scharia einzuführen, setzen sie den indonesischen Islam zunehmend unter Druck.


Von Markus Reichert und Alix-François Meier - ARTE GEIE / Apollofilm - Frankreich 2017

Zuletzt geändert am 28. April 2017