Indien: Nieren aus Nepal

ARTE Reportage - Samstag, 29. August 2015 - 17:05

Länder: Indien

Tags: Indien, Nieren

Exakte Zahlen über den Handel mit Spenderorganen in der Welt gibt es nicht - die Weltgesundheitsorganisation und der Europarat aber sagen, dass dies ein Markt mit Wachstumspotential ist: Zwischen 10 und 15 Prozent der jährlich verpflanzten Organe sollen danach von illegalen Spendern stammen. Bei derzeit 100.000 Transplantationen im Jahr lieferten international vernetzte Händler also gut 10.000 Organe. Ganz oben auf der Wunschliste stehen Nieren, die am meisten verpflanzten Spenderorgane in der Welt.

Inde - Népal : un rein à tout prix

 

Indien mit seinen gut 1,2 Milliarden Einwohnern verpflanzt jedes Jahr 4000 Spendernieren, damit stehen sie in dieser Hinsicht auf dem zweiten Platz in der Welt. Der Bedarf der Inder aber wächst jedes Jahr, vor allem auch dank des neuen Wohlstands und der damit einhergehenden Fehlernährung von zu viel, zu süß und zu fett. Mit zunehmender Diabetes und Bluthochdruck geht auch eine Steigerung der diagnostizierten Nierenkrankheiten daher, zurzeit bräuchten deshalb etwa 90 000 Inder jedes Jahr eine neue Niere.

Allerdings dürfen in Indien die Spenderorgane nur aus der Familie kommen oder aus einem dem Patienten eng verbundenem Umfeld. Natürlich reicht das nicht aus, den tatsächlichen Bedarf zu decken und so entstand ein äußerst lukrativer schwarzer Markt für den Handel mit Organen, auch über die Grenze hinaus nach Nepal.

Seit 20 Jahren ist Nepal, zynisch ausgedrückt, so etwas wie die "Schwarze Organbank" der Inder: In manchen Dörfern hat jede Familie einen in ihren Reihen, der schon einmal eine Niere gespendet hat. Den Spendern wurde in der Regel viel Geld versprochen und dass ihr Leben mit einer Niere weniger genau so komfortabel weiterginge wie mit zweien – doch in der Regel hielten die Organhändler nach der Organentnahme keines ihrer vollmundigen Versprechen. Unsere Reporter recherchierten zum Teil verdeckt über diesen skrupellosen Handel mit Organen und Menschenleben.


Von Louis Milano-Dupont, Romane Mozliwy, Axel Cossé und Jean Diego – ARTE GEIE – Frankreich 2015

 

Hören Sie unser Interview mit dem Regisseur Louis Milano-Dupont

 

Der illegale Handel mit Organen ist gesetzlich verboten. Fast alle Länder haben in der sogenannten "Declaration of Istanbul" Reglementierungen zur Organtransplantation anerkannt. Dennoch blüht der illegale Handel, da es zuwenig Kontrollen gibt. Das HOTT Project führt empirische Studien zu diesem illegalen Handel durch. Es wurde 2012 ins Leben gerufen und soll im November 2015 seinen Abschlussbericht vorlegen. Ziel ist es, die Strukturen des internationalen Organhandels besser zu verstehen und im Anschluß gezielter dagegen vorgehen zu können. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016