Im Laderaum versteckt mit Flüchtlingen

Länder: Türkei

Tags: Flüchtlinge, Mittelmeer

Der Reporter Daniel Grandclément  fuhr mit in einem Frachtschiff voller Flüchtlinge aus dem Irak und aus Syrien über das Mittelmeer in Richtung Europäischer Union: eine lebensgefährliche Reise… 

Wenn Sie mehr erfahren wollen...

Die Reportage "Europa: Inschallah – so Gott will…" von Pierre Creisson. "Die Reise vom Tod in den Tod", so nennen die Menschen die Fahrt übers Mittelmeer, die ihnen noch bevorsteht, nachdem sie dem Krieg und dem Terror in ihrer Heimat entkommen sind. Die EU ist ihr Ziel und ihre Hoffnung auf ein besseres Leben...

Der Reporter Daniel Grandclément überquerte bereits im Jahr 2007 den Golf von Aden in einem Boot mit Migranten aus Äthiopien. Im Mai dieses Jahres wollte er für ARTE Reportage filmen, wie Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak in Frachtschiffen eingepfercht in Richtung Italien fahren. Von der türkischen Hafenstadt Mersin aus fuhren sie los, zunächst in einem kleinen Schnellboot, das sie zu einem Frachter weiter draußen brachte, der sie alle tief unten im Laderaum versteckte. Mehrere Stunden waren sie dann unterwegs in Richtung internationaler Gewässer, immer in Angst vor den Hubschraubern der türkischen Küstenwache. 

"Das ist ein alter Usbeke, log der Menschenschmuggler, schon halb taub und stumm dank  Assads Bomben - denn ich spreche kein Wort Arabisch, die anderen brauchten also eine schlüssige Erklärung für mein Schweigen. Ein paar Stunden später schiffen wir uns ein, ganz im Geheimen, erst auf ein kleines Boot, das bringt uns zu dem Cargo-Frachter, der weiter draußen auf dem Mittelmeer auf uns wartet: Wir, das sind 170 Syrer und Iraker sowie ich, der Reporter, getarnt als Usbeke. Wir wollen nach Italien.

Eng aneinander gequetscht hocken wir dann tief unten im Frachtraum, kein Platz sich mal zu strecken, die Hitze ist unerträglich. Ich gestehe ihnen schnell, dass ich Franzose bin, dass ich sie filmen will, aber sie wollen nicht, zumindest am Anfang: Sie schämen sich – für den Schmutz, das Erbrochene, den Gestank, sie schämen sich für ihre Not. Vier Tage soll die Fahrt übers Meer dauern. Sie nehmen alles auf sich, es ist ein Martyrium, das sie stumm ertragen, wie die Bomben des Diktators, die ihre Heimat in Schutt und Asche legen. Jede Stunde im Bauch des Frachters bringt sie ihrem Traum näher, dem gelobten Land Europa."

A fond de cale avec des réfugiés

Von Daniel Grandclément - ARTE GEIE – Frankreich 2015 

 

Daniel Grandclément

 

Daniel Grandclément, 68 Jahre alt, ist ein in Frankreich bekannter Reporter, der sich darauf spezialisiert hat, das Leben von Menschen in Not in Krisengebieten zu dokumentieren. Seine Reportage über die Flucht aus Äthiopien "Les martyrs du golfe d'Aden" von 2008 erhielt den "Grand prix du Festival international du grand reportage d'actualité".

 

 

 

 

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind rund 103 000 Flüchtlinge und Migranten seit dem 1. Januar 2015 über das Mittelmeer nach Europa gekommen: 54 000 nach Italien, 48 000 nach Griechenland,  920 nach Spanien und 91 nach Malta. Das ist allerdings nichts im Vergleich zu den syrischen Flüchtlingen, die jeden Tag in die Türkei, in den Libanon, nach Jordanien und in den Irak strömen. Denn die große Mehrheit der Syrer sucht in ihren Nachbarländern Zuflucht