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Ianas Kampf gegen Menschenhändler

Länder: Rumänien

Tags: Menschenhändler, Unterstützung, prostitution

Als Ergänzung zur Fernsehsendung bietet Vox Pop jede Woche im Internet eine Vertiefung der behandelten Themen sowie Hintergrundinformationen an. Hier finden Sie weiterführende Artikel und Dokumente, auf die sich unsere Journalisten bei ihren Recherchen gestützt haben.

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Diese Woche geht es um Iana Matei. Die Rumänin hat einen Verein gegründet, der den Opfern von Mädchenhändlern hilft.

 

Iana Matei ist der Schrecken von Zuhältern und anderen Menschenhändlern. 2010 wurde die Rumänin als Anerkennung für inzwischen 15 Jahre unermüdliche Unterstützung minderjähriger Mädchen, die Opfer von Zuhälterringen geworden waren, zur Europäerin des Jahres gekürt. In der Presseschau von PressEurop war unter dem Titel Iana Matei, l'espoir après le trottoir (Hoffnung nach dem Straßenstrich) zu lesen, wie die in verschiedenen Hilfsprojekten für Straßenkinder engagierte Diplompsychologin den für Rumänien völlig neuartigen Verein Reaching Out gründete. 1999 erhielt sie eines Tages einen Anruf von der Polizei: „Wir wissen nicht, was wir mit drei ‚Bordsteinschwalben‘ anfangen sollen, die wir auf der Straße aufgelesen haben.“ Es ging um drei völlig durchgefrorene, spärlich bekleidete und halb verhungerte 13- bis 14-jährige Mädchen, die zunächst verkauft und dann für den Straßenstrich weiterverschachert worden waren.
Seitdem holt Iana die Mädchen nicht nur von der Straße und bietet ihnen eine Zufluchtsstätte, sondern drängt sie auch, zur Entlarvung ihrer Zuhälter beizutragen, um die Netzwerke zu Fall zu bringen.

 
„Zu verkaufen: Mariana, 15 Jahre“

Darüber berichtet Iana Matei in einem Buch mit dem Titel „Zu verkaufen: Mariana, 15 Jahre: Mein Kampf gegen den Mädchenhandel“. Sie prangert darin die Tatenlosigkeit der EU gegenüber dem Handel mit Prostituierten an. „Wir leben in vorgeblich modernen Gesellschaften, in denen Kinder verkauft werden!“, klagt sie. „Bei uns in Osteuropa fehlt es an Mitteln. Polizei und Justiz sind großteils korrupt und die meisten Menschen sagen, dass diese Mädchen selbst schuld sind.“
In Rumänien ist Zwangsprostitution ein lukratives Geschäft, das weiterhin zahlreiche – häufig sehr junge – Opfer fordert. Schon 2012 stellte eine Sonderbeauftragte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Bukarest einen beunruhigenden Anstieg des Menschenhandels fest. Seit dem EU Beitritt hat sich das Land zu einem der europaweit wichtigsten „Exporteure“ für Prostituierte entwickelt. In Frankreich haben sich, ebenso wie anderswo in Europa, rumänische Zuhälterringe etabliert. Sie beuten mittellose junge Frauen aus, die wie Vieh aus Rumänien herangeschafft werden.

 

Manuel Vicuña

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016