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IAA : Deutsche Elektrik im Mittelpunkt einer Automobilausstellung ohne die größten Hersteller

Länder: Deutschland

Tags: IAA, Frankfurt, Automobilindustrie, Elektroauto

Die größte internationale Automobilausstellung, die IAA in Frankfurt/Main öffnet am 14. September für zehn Tage ihre Pforten. Elektromotoren und automatische Steuerung stehen im Mittelpunkt dieser 37. Ausgabe der Ausstellung. 50 Automobilhersteller sind anwesend, andere jedoch, darunter Tesla, Peugeot, Fiat, Volvo, bleiben der Veranstaltung fern.

Deutsche Marken bekehren sich zur Elektrik

Nach dem Skandal des „Dieselgate“ setzen Volkswagen und dessen Präsident Matthias Müller alles auf Elektromotoren. Die deutsche Gruppe investiert weiterhin in Elektromobilität, 20 Milliarden Euro wurden bis 2030 verplant (nahezu so viel, wie der Dieselskandal gekostet hat, der seit zwei Jahren den Ruf des Unternehmens befleckt). Der Direktor betont, dass die verschiedenen Marken der Volkswagen-Gruppe bis 2025 über 80 neue Fahrzeugmodelle mit elektrischem Motor herausbringen werden, darunter 50 mit vollständig elektrischem Motor und 30 mit Hybridmotor. „Wir haben den Bedarf begriffen und wir werden ihn bedienen. Das ist keine fakultative Absichtserklärung, sondern ein persönliches Engagement, dem wir uns heute stellen.“ Der Direktor fügt hinzu: „Die Verwandlung unserer Industrie macht vor nichts halt. Wir werden diese Verwandlung durchführen.  Immerhin drückt er sein mangelndes Einverständnis mit den Richtlinien zum Verbot von Dieselmotoren in Deutschland aus: Der Zeitung Bild gegenüber bezeichnete er das Verbot als harten Schlag gegen die Industrie, der auf keinen Fall akzeptiert werden könne. Zurzeit überlegen die Städte Berlin, München und Stuttgart noch, bestimmten Dieselfahrzeugen die Einfahrt zu verbieten.

Auch die Daimler-Gruppe hat ihre Absicht verkündet, bis 2022 von allen Modellen ihrer Automobilmarke Mercedes-Benz elektrische oder hybride Modelle anzubieten und das Stadtfahrzeug Smart auf Elektrizität umzurüsten. Dieser Plan „betrifft über 50 Versionen von elektrifizierten Fahrzeugen (…). Die Zeit ist gekommen“, an Elektrizität zu glauben, als Gesamt- oder Teilausrüstung, weil „die Energiedichte der Akkus zunimmt und die Kosten abnehmen“, erklärt sie gegenüber der Agence France Presse. Frank Lindenberg zufolge, dem Finanzdirektor der Marke Mercedes-Benz, werden bis 2025 25% der globalen Verkäufe des Autobauers „von elektrifizierten Modellen“ erzielt werden.  Schließlich hat letzte Woche der bayrische Rivale BMW seine Elektro-Entwicklungsstrategie dargelegt, und 25 Modelle bis 2025 angekündigt mithin 12 zu 100% elektrische Fahrzeuge und 13 Hybridfahrzeuge. „Wir rüsten gerade alle unsere Werke elektrisch auf. In Zukunft werden wir imstande sein,  jedes unserer Modelle mit der gewünschten Motorisierung auszustatten“, versicherte Harald Krüger, der Leiter des Unternehmens.

 

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Moteur électrique BMW au salon IAA © ULI DECK / DPA

 

Andere Lösungen, andere Motoren 

Auf halbem Weg zwischen Benzin und Strom, ist das Hybrid "Leicht 48" eine neue, weniger kostspielige Art von Motor, die wie ein neuer Kompromiss erscheint. Der Hybridmotor kombiniert Elektromotor und Explosionsmotor (Benzin oder Diesel), was zu einer Reduzierung des Dieselverbrauchs und damit des CO2-Ausstoßes führt. Der "Leicht 48" ist schwächer als ein normaler Hybridmotor (der von einer Spannung von etwa 200 Volt genährt wird), daher ist der Kraftstoffverbrauch höher. Der Hybridmotor "Leicht 48" würde den Kraftstoffverbrauch um 15% bis 20% reduzieren, wogegen ein normaler Hybridmotor ihn um etwa 45% reduzieren würde. Der Motor "Leicht 48" wäre also insofern interessant, als er zu einer schnelleren Demokratisierung von sauberen Motoren führen könnte, da er für den Verbraucher eine weniger kostspielige Lösung darstellt. 

Sauber fahren bedeutet nicht zwangsläufig elektrisch fahren. Verschiedene Arten von Motoren können die Reduzierung des auf der Erde befindlichen CO2 ermöglichen, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen, Hans Dieter Pötsch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur:  „Diesel ist kein Problem, sondern eine Lösung“, denn die neuen Motormodelle seien viel sauberer und effizienter. „Wir bemühen uns, Diesel umweltschonend zu machen“, fügt er hinzu. Tatsächlich ist der Gebrauch von Diesel an sich nicht schmutzig, Diesel gestattet sogar mehr Autonomie und führt zu geringeren CO2-Ausstößen als Benzin. Jedoch stößt Diesel NOx-Partikel aus (Stickoxide) die für die Atemwege gefährlich sind. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft sie als krebserregend ein. Carlos Tavares, Präsident der PSA-Gruppe, erhob in einer Sendung des Radios Kritik an diesem Mangel an Kommunikation zu Thema Diesel. „Ich glaube, dass es ein Informationsdefizit gibt, was die Modernität von Diesel und seine reale Leistung in Sachen Luftverschmutzungsbereinigung betrifft. Modernes Diesel, das den Normen Euro 6 entspricht, ist durchaus sauber.“, sagte er.  In der Tat schreiben die Normen Euro 6 den neuen Dieselmotoren vor, die Ausstöße von CO2 und NOx fast auf null zu reduzieren.  Jedoch betreffen diese Normen die neuen Motoren, während die alten Motoren, deren Ausstöße viel hoher sind, weiterhin fahren.

Philippe Mangeard, Generaldirektor von TK'Blue, eine extrafinanzielle Ratingagentur der ökologischen Fußstapfen der Transportmittel, erinnert daran, dass auch CO2 keine schmutzige Emission und gesundheitlich an und für sich harmlos ist; problematisch ist seine Auswirklung auf die Klimaerwärmung. Für den Menschen gefährlich sind die NOx- und die SOx-Partikel, die sowohl vom Motor als auch vor allem von der Reibung der Reifen und der Bremsen erzeugt werden. Laut Mangeard wäre es ein Fehler, Diesel vollkommen durch Elektromotoren zu ersetzen: „Gegenwärtig können Elektrolastkraftwagen nur 800 Kg Ware transportieren, wogegen normale LKW 16 Tonnen transportieren können. Die Umstellung würde zu einem enormen Verkehrszuwachs führen“, erklärt er. Mehr Fahrzeuge bedeuten mehr Verkehr und mehr Reibung. Bevor man also „alles auf Elektrizität umstellt“ sollte man die „globalen gesellschaftlichen Kosten“ bedenken, die auch in Sachen Elektrik hoch ist: Zur Herstellung eines Elektro-Akkus werden Materien wie Lithium verwendet, die man zurzeit noch nicht zu rezyklieren fähig ist, und die erhöhte Stromerzeugung bei der Herstellung stößt grösser Mengen an CO2 aus

Abwesenheit von Tesla und vielen anderen

Elektrische Autos stehen im Mittelpunkt der Fragen zum Thema Automobil, doch Tesla und Nissan, zwei der größten Hersteller von Elektroautos, sind dieses Jahr nicht nach Frankfurt gekommen. „Das wichtigste Auto des Jahres wird gar nicht ausgestellt“, moniert Ferdinand Dudenhöffer, ein Experte der Automobilindustrie, und meint damit das Elektromodell Tesla Model 3. Die Elektro-Luxusmarke rechtfertigt sich gegenüber der AFP: „Wir sind kein traditioneller Automobilhersteller, wir suchen daher Events, die nicht um diesen Bereich kreisen“, erklärt die Gruppe. Tesla war auch nicht bei den Automobilmessen von Detroit und von New York anwesend. Nissan, dessen Modell Leaf das weltweit meist verkaufte Elektroauto ist, lässt die IAA ebenfalls links liegen. Auch andere große Marken wie Peugeot, Fiat, Volvo und Mitsubishi  bleiben der Ausstellung fern. Tatsächlich kostet eine solche Veranstaltung die Unternehmen viel Geld; dazu kommt die Kritik, dass die deutsche Ausstellung zu sehr deutsche Marken privilegiere.