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Schlimmste humanitäre Krise seit 70 Jahren

Länder: Südsudan, Jemen

Tags: Hungersnot, Afrika, Humanitäre Hilfe

Ende Februar rief der somalische Präsident eine Katastrophe aus, in den folgenden Tagen verhungerten über 100 Menschen. Auch Nigeria, der Südsudan, Somalia und der Jemen leiden akut unter Nahrungsmittelmangel. ARTE Info erklärt die Ursachen der humanitären Notsituation.

20 Millionen Menschen leiden Hunger. Die Vereinten Nationen sprechen von der weltweit schlimmsten humanitären Krise seit 70 Jahren. Besonders betroffen sind Nigeria, der Südsudan, Somalia und der Jemen. Was alle vier gemeinsam haben: Nicht nur klimatische oder landwirtschaftliche Bedingungen, sondern auch Bürgerkriege verhindern eine ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln.

Bürgerkrieg, Terrorismus, Dürre: Diese Karte zeigt die Ursachen für die Hungersnot in Nigeria, im Südsudan, in Somalia und im Jemen.

 

Die Ursachen des Hungers

Südsudan:

Zum ersten Mal seit sechs Jahren haben die Vereinten Nationen am 20. Februar eine Hungersnot ausgerufen, und zwar im  Südsudan. Etwa 100.000 Menschen sind dort von Hunger betroffen. Eine Million stehe kurz davor, so das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). Von einer Hungersnot spricht die UNO dann, wenn täglich Menschen aufgrund von Hunger sterben, ein Fünftel der Bewohner kaum Zugang zu Nahrungsmitteln hat und über 30 Prozent unterernährt sind.

Der seit 2011 unabhängige Südsudan befindet sich seit 2003 in einem Bürgerkrieg, in dem Präsident Salva Kiir und der frühere Vizepräsident Riek Machar um die politische Führung kämpfen. Zwar kam es 2005 zu einem vorübergehenden Friedensabkommen, jedoch berichtete Human Rights Watch bereits ein Jahr später von Gewalt gegen Zivilisten und Kriegsverbrechen. Ein Viertel der Bevölkerung hat das Land verlassen. Neben Tot und Flucht haben die kriegerischen Auseinandersetzungen eine Zerstörung von Ernten und landwirtschaftlicher Flächen zur Folge.

Noch nie sei die Hungersituation so schlimm gewesen wie 2017, so OCHA. Laut dem Auswärtigen Amt ist Deutschland nach den USA, der EU und Großbritannien mit 83 Millionen Euro der viertgrößte finanzielle Unterstützer des Staates.

Somalia:

Die Vereinten Nationen schätzen, dass in Somalia zehntausende Menschen akut vom Hungertod bedroht sind. Lange und sich wiederholende Dürreperioden machen das Land besonders anfällig für Nahrungsmittelknappheiten. Im Jahr 2011 verhungerten mindestens 250.000 Menschen aufgrund der Trockenheit, dieses Jahr bahnt sich eine ähnliche Situation an. Verantwortlich gemacht für das Ausbleiben des Regens wird das Phänomen El Niño, das zu ungewöhnlichen Klimaverhältnissen führt. Ende Februar erklärte der somalische Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed die Dürre zur nationalen Katastrophe.

Neben Wetterlaunen ist das Land seit mehr als 20 Jahren bewaffneten Konflikten ausgesetzt. Zum Zentrum und zum Süden des Landes, wo die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab präsent ist, haben humanitäre Helfer aufgrund der Sicherheitslage oft keinen Zugang.

 

Nigeria:

In Nigeria ist vor allem die Region Borno, nahe des Tschadsees im Nordosten des Landes von Hunger betroffen. Laut OCHA benötigen fast fünf Millionen Menschen in Nigeria Nahrungsmittelhilfe. Wegen jahrelanger Terrorherrschaft, Zerstörung und wirtschaftlicher Schwächung durch die islamistische Gruppierung Boko Haram haben sich zahlreiche Menschen nach Maiduguri, die Hauptstadt der Region Borno, gerettet, um humanitäre Hilfe zu erhalten. Bauern ist es oft nicht möglich, zu ihren Ländereien zurückzukehren und Nahrungsmittel anzubauen. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef geht davon aus, dass 400.000 nigerianische Kinder lebensbedrohlich unterernährt sind.

 

Jemen:

Mehr als die Hälfte der Jemeniten, also 17 Millionen Menschen, befinden sich in Stufe drei oder vier von insgesamt fünf Abstufungen der Nahrungssituation, wobei die fünfte die verheerendste ist. Laut OCHA besteht im Jemen die größte Ernährungsunsicherheit weltweit.

Seit mehr als zwei Jahren befindet sich das Land im Krieg. Schiitischen Huthi-Rebellen aus dem Norden stehen Truppen der Regierung gegenüber. Als die Huthis 2014 die Hauptstadt Sanaa einnahmen, floh Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi nach Saudi-Arabien, bevor er wieder zurückkehrte. Saudi-Arabien unterstützt die jemenitische Regierung durch Luftangriffe.

Die anhaltende Zerstörung ist besonders drastisch, da der Jemen 90 Prozent der Nahrungsmittel importieren muss.

Zuletzt geändert am 7. April 2017