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Huawei: Der Spion aus China

Vox Pop - Sonntag, 8. Februar 2015 - 1:55

Länder: China

Tags: Huawei, Spionage, Telekoms

Der chinesische IT-Riese Huawei will sich in Europa ausbreiten. Doch sein Image ist nicht unbefleckt: Dem Konzern wird Cyberindustriespionage vorgeworfen. Aber kann Europa es sich leisten, auf chinesische Investitionen zu verzichten?

Der breiten Öffentlichkeit ist der Name Huawei kaum ein Begriff. Dabei ist der chinesische Telekommunikationsriese nach Samsung und Apple der weltweit drittgrößte Handyanbieter. Nun drängt Huawei auf den europäischen Markt – und Frankreich öffnet ihm die Arme. Am 29. September 2014 wurde Firmengründer und CEO Ren Zhengfei vom französischen Ministerpräsidenten Manuel Valls in Paris empfangen. Zhengfei kündigte Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro und die Schaffung von rund 2.000 Arbeitsplätzen in Frankreich an. Im großen Stil eröffnete Huawei einige Tage zuvor im Technologiepark Sophia Antipolis bei Nizza ein brandneues Forschungs- und Entwicklungszentrum; auch dort wird eine Einstellungswelle erwartet.

 

Schwerer Spionageverdacht

Doch Huawei ist kein gewöhnliches Unternehmen. Sein Gründer arbeitete lange Zeit für den Militärgeheimdienst der chinesischen Armee, und das Image des Konzerns, der nun in ganz Europa, von Deutschland bis Schweden, seine Netze auswirft, ist angeschlagen: Auf Huawei lasten schwere Spionagevorwürfe. Es besteht die Gefahr, dass Wirtschaftsdaten in all den Ländern abgefangen werden, an die Huawei seine Router verkauft – Geräte, über die sämtliche elektronische Daten übertragen werden.

Ist Huawei ein Spion im Dienste Pekings? Das meint zumindest der ehemalige CIA-Chef Michael Hayden. Schon 2012 forderte der amerikanische Kongress, Huawei von öffentlichen Ausschreibungen auszuschließen. In Australien wurde dem Konzern der Zugang zum nationalen Breitband-Netzwerk verwehrt. Und auch Großbritannien, das die Aktivitäten von Huawei in einem „Cyber Security Evaluation Centre“ beobachtet, will in Zukunft noch wachsamer sein.

In Frankreich hingegen scheint die Charmeoffensive des chinesischen IT-Riesen hervorragend zu greifen. Dabei hatte der Senator Jean-Marie Bockel 2012 in seinem Bericht zur Cyber Defence empfohlen, die Ausbreitung und Nutzung von Internet-Routern und anderen Kernnetzwerkelementen aus China zu verbieten. Doch das ist problematisch, zumal die französischen Mobilfunkanbieter SFR und Bouygues Télécom zu den Kunden von Huawei zählen.
 

Kommt Europa ohne chinesisches Kapital aus?

Schlösser, Weinberge, Luxusimmobilien, Finanz- und Energiesektor, Mode … – chinesische Konzerne sind in allen Wirtschaftsbranchen präsent. Der Handel zwischen China und Europa beläuft sich momentan auf 1,2 Milliarden Euro pro Tag. Ein weiterer Beweis für die dynamischen Beziehungen ist das von Peking propagierte Großprojekt „neue Seidenstraße“, mit dem sich China dem europäischen Partner annähern und sein Kapital auf dem „alten Kontinent“ ausweiten will. Bereits heute läuft über eine der längsten Bahnverbindungen der Welt ein reger Güterverkehr zwischen China und dem Duisburger Hafen. China investiert immer stärker in Deutschland und kaufte in den vergangenen Jahren mehrere Säulen der deutschen Schwerindustrie auf, u.a. die Putzmeister Holding GmbH.

Doch nach Angaben der Invest in France Agency (IFA) wurde Frankreich 2012 zum ersten Standort in Europa für beschäftigungsfördernde chinesische Investitionen, vor Großbritannien und Deutschland. Inzwischen ist der chinesische Autobauer Dongfeng mit 800 Millionen Euro beim kriselnden französischen PSA-Konzern eingestiegen – eine der spektakulärsten Aktionen dieser Art, die Frankreich je gesehen hat. Doch die Chinesen investieren auch in weniger offensichtliche Sektoren: Im Online-Magazin Rue 89 nennt Pierre Haski so überraschende Beispiele wie die Milchproduktion.
 

Was steht zum Verkauf?

In Frankreich ist man begeistert. „Chinesische Investitionen sind in Frankreich willkommen, und wir bemühen uns, sie zu erleichtern“, erklärte Außenminister Laurent Fabius beim Besuch von Staatspräsident Xi Jinping im März dieses Jahres. Frankreich will künftig 50 000 chinesische Studenten aufnehmen, heute sind es 35 000.

Ein Bereich der französischen Wirtschaft blieb bislang vom chinesischen Eroberungsgeist ausgenommen. „Die Chinesen sind generell vorsichtig bei der Finanzierung von Infrastruktur und bei öffentlichen Ausschreibungen. Sie wollen nicht zu ungeduldig oder gar raubtierhaft erscheinen“, analysiert China-Experte François Godement in der Finanzzeitung Les Échos. Für ihn „stellt sich die Frage, was in Frankreich eigentlich zum Verkauf steht. […] Und das sind weder die Häfen, noch die Autobahnen oder Schienennetze – zumindest noch nicht heute.

Manuel Vicuña

 

 

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017