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Hilfskonvoi für Madaja

Länder: Syrie

Tags: Hungersnot, Bürgerkrieg, Madaja

Warum Madaja belagert wird?

Die Stadt Madaja wird seit rund einem halben Jahr von Truppen des Regimes und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah belagert. Madaja wird zum Verhängnis, da die Stadt an einem strategisch wichtigen Ort liegt. Das Regime und die Hisbollah beherrschen den größten Teil des Gebiets an der Grenze zum Nachbarland Libanon. Die vom Iran unterstützte Miliz will die gesamte Region unter Kontrolle bringen, um eine Pufferzone gegen die Rebellen zu haben. Schon im vergangenen Jahr bombardierten Armee und Verbündete die nahe gelegene Stadt Sabadani über Wochen ohne jede Rücksicht auf Zivilisten. Seit langem sind in dem Bürgerkrieg alle Hemmschwellen gefallen.
 

Am Montag ist in der belagerten syrischen Stadt Madaja ein Hilfskonvoi der UNO eingetroffen. Rund 400 Menschen befänden sich gemäß der UNO in sehr kritischem Zustand und müssten dringend aus der Stadt gebracht werden.

 

Nun sind am Montag die ersten Lastwagen des Konvois mit insgesamt 330 Tonnen Nahrung und Medikamenten in Madaja eingetroffen, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mitteilte. Über 20.000 hungernde Menschen warteten zuvor in der von der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah seit Monaten belagerten Stadt Madaja auf Lebensmittel und medizinische Versorgung.

 

Hunderte in sehr kritischem Zustand

Hilfsorganisationen sprechen von einer dramatischen Lage: Die UNO will rund 400 Menschen aus der Stadt bringen, die sich in sehr kritischem Zustand befinden. Gemäß der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sind seit Anfang Dezember 23 Menschen verhungert, unter ihnen sechs Säuglinge. Madaja sei ein "Gefängnis unter freiem Himmel". Hilfsorganisationen konnten eigenen Angaben zufolge zuletzt im Oktober Güter nach Madaja bringen. Seither gibt es keine Zufahrtsmöglichkeiten mehr. Schon im Juni beklagte die UN, im Syrienkonflikt würden alle Parteien das Aushungern als Kampfmittel einsetzen.

 

Syrische Regierung gibt grünes Licht

Die syrische Regierung hatte Anfang Januar nach langen Verhandlungen grünes Licht für UNO-Hilfslieferungen in drei belagerte Städte gegeben. Zudem sei Hilfe für die von Rebellen belagerten Orte Fua und Kefraja im Nordwesten Syriens gestattet worden.

 

Verstörende Bilder von ausgemergelten Bewohnern

Aus der Not der Lage heraus hatten sich die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sowie andere Aktivisten entschieden, Bilder von den Menschen zu veröffentlichen, die in der Stadt eingeschlossen sind: Sie zeigen ausgemergelte Kinder, Tote mit Körpern, die bis auf die Knochen abgemagert sind. Überprüfen lassen sich diese schrecklichen Bilder nicht. Aber alles spricht dafür, dass sie echt sind und von einer der schlimmsten Hungerkatastrophen in dem fast fünfjährigen syrischen Bürgerkrieg zeugen. 

 

Unsere Reportage:
Weil es in der Region keine Journalisten mehr gibt, ist eine unabhängige Bericht-Erstattung nicht gewährleistet. Mit Hilfe eines Syrers, der im Exil lebt, haben wir Videos mehrerer Oppositions-Medien im Internet ausgesucht und - so gut es eben geht - verifiziert. Es sind Bilder, die auf drastische Weise das Elend dokumentieren. 

 

La famine en Syrie
 
Erinnerungen an Jarmuk

Es ist im Syrienkonflikt nicht die erste humanitäre Katastrophe infolge einer Blockade. Eines der bislang schlimmsten Beispiele war das palästinensische Flüchtlingslager Jarmuk im Süden von Damaskus, das von der Armee belagert wurde. Abgeschnitten von der Außenwelt starben dort Dutzende den Hungertod, wie Aktivisten im vergangenen Jahr berichteten. Die Aushungerungstaktik scheint zu einem veritablen Kampfmittel geworden zu sein, das von allen Parteien benutzt wird.

Seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges im Jahr 2011 sind mehr als 260.000 Menschen der Gewalt zum Opfer gefallen, unter ihnen 76.000 Zivilisten. Alleine im vergangenen Jahr gab es nach einer Zählung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 55.000 Tote, darunter 13.000 Zivilisten und 2.500 Kinder.

 

Seit dem Beginn des Bürgerkrieges ist Syrien ein Land, das von unterschiedlichen Machtansprüchen und Besatzungsallianzen zerrissen ist:

Syrien Karte Zonen

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016