Guatemala: Nur Recht auf Selbstjustiz

ARTE Reportage - Samstag, 30. April 2016 - 17:05

Länder: Guatemala

Tags: Selbstjustiz, Kriminalität

Vier Polizisten für ein Städtchen von 48 000 Einwohnern – da nehmen sich die Bürger die Freiheit, selbst „Recht“ zu sprechen: brutal und ohne Gnade.

 

Guatemala : la justice par le lynchage
Guatemala: Nur Recht auf Selbstjustiz Vier Polizisten für 48 000 Einwohnern – da nehmen sich die Bürger die Freiheit, selbst „Recht“ zu. Guatemala: Nur Recht auf Selbstjustiz

In ganz Guatemala funktionieren Recht und Ordnung nicht: Die Kriminalitätsrate steigt und steigt aufgrund von Drogen- und Menschenhandel.  Justiz und Polizei sind in der Regel korrupt, im besten Falle zeigen sie sich hilflos im Angesicht der Verbrechen. Die Schuldigen werden selten verfolgt. Schon 2007 gründeten die Vereinten Nationen eine Internationale Kommission, um dem Phänomen der Straflosigkeit in Guatemala auf die Spur zu kommen, denn nur 4 Prozent der Morde werden in Guatemala vor Gericht verhandelt und bestraft. 

Deshalb besannen sich die Guatemalteken auf die alte Maja-Tradition und nehmen seitdem das Recht selbst in die Hand. In den meisten Fällen aber urteilen sie nicht nach Anhörung und Ermittlung von Schuld oder Unschuld sondern spontan, in Massen, aufgeputscht und hysterisch – der Mob lyncht, die er für schuldig hält, prügelt sie zu Tode oder verbrennt sie bei lebendigem Leib. Wie viele Menschen dabei unschuldig sterben, nur weil eifersüchtige Nachbarn die Menge aufgestachelt haben, das interessiert niemanden. Die Medien schreiben dann häufig, dass die Menschen selbst für Gerechtigkeit gesorgt hätten – eine zynische Förderung der blinden Wut der Masse…


von Laurence Cuvillier und Eberhard Rühle  – ARTE GEIE / Apollofilm  - Frankreich 2016

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016