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Großbritannien – Wohnungsnot in London

Länder: Großbritannien

Tags: March for Homes, Sozialwohnungen

In der britischen Hauptstadt gibt es immer weniger Sozialwohnungen, die Mieten steigen rasant. Aktivisten und Mieter machen ihrem Unmut über diese untragbare Situation Luft.

In London wird es immer schwieriger, eine Bleibe zu finden. In der Acht-Millionen-Metropole sind die Mieten in schwindelerregende Höhen gestiegen, immer mehr Menschen zwängen sich auf immer engerem Raum zusammen; Sozialwohnungen sind rar. Am Samstag, dem 31. Januar 2015, gingen rund 5 000 Menschen auf die Straße, um gegen die immer schlechteren Lebensbedingungen in London zu protestieren. Eine 20-jährige alleinerziehende Mutter brachte gegenüber dem Guardian vor der Londoner City Hall die von den Demonstranten empfundene Ungerechtigkeit zum Ausdruck: „Es sind schon zu viele meiner Freunde gegangen. Es ist ungerecht, dass junge Leute es sich nicht mehr erlauben können, in dieser Stadt zu bleiben, die sie lieben und in der sie aufgewachsen sind“, klagt sie.

In einem offenen Brief prangern die Organisatoren des „March for Homes“ die Politik der Regierung an. Dieser Vereinigung gehören Mieter, Gewerkschaften und Aktivisten an, die den Londoner Bürgermeister Boris Johnson auffordern, den Abriss von Wohngebäuden zu stoppen, Sozialwohnungen zu schaffen und die Mieten zu deckeln. „Auf dem privaten Mietmarkt sind die Mieten seit 2010 jedes Jahr um 13 % gestiegen und die Mieter geben dafür durchschnittlich 40 % ihres Einkommens aus“, so ihre Argumentation.

In London stehen mehr als 344 000 Menschen auf der Warteliste für Sozialwohnungen, während sich der durchschnittliche Kaufpreis für eine Wohnung oder ein Haus auf 530 000 Euro beläuft – das 16-fache des durchschnittlichen Jahreseinkommens in London.

 

Der Luxus-Boom

„Menschen vor Profit“ ist auf den Schildern zu lesen. Dieser Slogan bezieht sich vor allem auf den Boom der Luxusappartements, der immer mehr ausländische Investoren in die englische Hauptstadt lockt. Anfang Januar 2015 wurden 80 % der 291 Wohneinheiten in einem Immobilienkomplex in Vauxhall Cross südlich der Themse von Investoren aus dem Mittleren und Fernen Osten erworben. Das erinnert an den Aufkauf der Wolkenkratzer im Geschäftsviertel Canary Wharf im Osten von London mittels einer kanadischen Stiftung, aber letztendlich durch Katarer.

Angesichts der grassierenden Wohnungsnot kommen diese Käufe bei den Londoner Bürgern schlecht an. Ebenfalls Anfang Januar 2015 musste ein Werbevideo der Berkeleygroup PLC, eines der größten Baukonzerne in Großbritannien, zurückgezogen werden, nachdem in sozialen Netzwerken harsche Kritik aufkam, wie auch der Courrier International berichtete. Auf Twitter wurde der Clip als „schwindelerregend“ und „empörend“ bezeichnet. Darin ist ein ausländischer Käufer zu sehen, der im Privatjet nach London kommt und dann im Bentley spazieren fährt und erzählt, dass er auf der Suche nach einem Geschenk für seine Freundin sei – einem kleinen Appartement in der Londoner Innenstadt…

Franck Berteau

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016