|

Großbritannien – Legosteine in Cambridge

Länder: Großbritannien

Tags: Kreativität, Bildung, spiel

Zum Wintersemester 2015 können sich Studenten der Universität Cambridge für einen Kurs einschreiben, in dem es um Legosteine geht. Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht die Bedeutung des Spiels für Erziehung, persönliche Entwicklung und Lernprozesse. 

Die Universität Cambridge beschäftigt sich mit Legosteinen. Der bekannte dänische Spielzeughersteller Lego, der sich seit über 35 Jahren im Bildungssektor engagiert, hat 4 Millionen Britische Pfund (etwa 5,52 Millionen Euro) in die Einführung eines neuen Kurses an einer der renommiertesten Hochschulen in Großbritannien investiert. Ab Oktober 2015 wird dort eine Veranstaltung zum spielerischen Lernen und Lehren angeboten.

Über die genauen Inhalte schweigen sich das Unternehmen und die Universität bisher aus. Für Nadia Benedetti, Marketingleiterin bei Lego Education France, ist „diese Zusammenarbeit nichts Außergewöhnliches“. Bereits 2014 hatte Lego an verschiedenen technischen Hochschulen in Frankreich die Kampagne „Be engineer“ („Ingenieur sein“) durchgeführt. Im Rahmen dieses Projekts haben Studierende im ersten Studienjahr einen ganzen Katamaran aus Legosteinen entworfen und gebaut.

Angewandte Kreativität

Die Lerneinheit erforderte eine mehrstufige Planung, denn die Studenten mussten „das Produkt entwerfen, ihren Kommilitonen davon erzählen, das Wort ergreifen und sich das Projekt einprägen“, erläutert die Verantwortliche. Stress und Anspannung der Ausbildung sollen durch die spielerischen Aspekte gemindert werden. Sie weist darauf hin, dass diese von Lego entwickelte und propagierte Pädagogik als „angewandte Kreativität“ bezeichnet wird.

Gegenüber der britischen Tageszeitung The Telegraph versicherte auch Sergio Pelles, Wissenschaftler an der Lethbridge-Universität im kanadischen Alberta, dass „die Spielerfahrung die Synapsen zwischen den Neuronen im vordersten Bereich unseres Gehirns verändert“. Durch das Spiel wird die kognitive Entwicklung stimuliert.  Bei Lego äußert man sich ähnlich. „Diese Vorgehensweise erleichtert das Verständnis und beseitigt Hürden.“, führt die Marketing-Verantwortliche weiter aus. Beispielsweise im Bereich der Mathematik sind bestimmte Themen für die Studenten auf diese Weise wesentlich einfacher zu begreifen.

die Spielerfahrung die Synapsen zwischen den Neuronen im vordersten Bereich unseres Gehirns verändert"

Sergio Pelles, Wissenschaftler an der Lethbridge-Universität - 12/06/2015

Ein zweiteiliges Projekt

Der „Lego-Professor“, der an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Cambridge arbeiten soll, „wurde noch nicht eingestellt“, wie die Mitglieder des Generalrats der Universität in einer Pressemitteilung bekannt gaben. Darin verkündet die Hochschule außerdem, dass er gleichzeitig das neue Forschungszentrum zu diesem Thema leiten werde. Der Vizekanzler der Universität, Leszek Borysiewicz, erklärte der Hochschulzeitung The Reporter, dass eine Summe von 1,5 Millionen Britischen Pfund (2 Millionen Euro) „dieser Forschungseinheit zur Verfügung stehen wird.

Das Unternehmen spricht von einem ernst zu nehmenden Forschungsprojekt zur Verbesserung der Lehrmethoden. Auf der amerikanischen Website Huffington Post drückt die für die Betreuung der Partnerschaft zuständige Lego-Stiftung ihre Hoffnung aus, „eine Zukunft zu schaffen, in der Kinder durch Spielen lernen und dadurch kreativer sind, sich stärker in den Lernprozess einbringen und lebenslang für neue Kenntnisse offen sind“. Für die Stiftung sind die Steine pädagogische Mittel, die den herkömmlichen Unterricht ergänzen. Gemeinsam mit Entwicklern und Forschern untersucht Lego Lehrpläne an Schulen, um Vorschläge für solche Tools vorzulegen.

Handelt es sich um eine Marketing-Strategie? Lego weist das von sich, und Nadia Benedetti betont, es gehe ausschließlich darum „Schülern durch unterhaltsame Erfahrungen mit konkret-manuellen oder digitalen Mitteln zum Erfolg zu verhelfen. Wir sind auch im Bereich Robotik stark engagiert.

 

Fabiola Dor

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016