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GroKo, Koko oder Jamaika? Zum Vokabelreichtum der deutschen Politik

Länder: Deutschland

Tags: GroKo, Koko, Jamaika, Christian Lindner

Zungenbrecher gab es viele in diesem Jahr in der deutschen Politik. Neben Jamaika-Koalition und GroKo haben auch ein paar andere Wörter die deutsche Vokabellandschaft durcheinandergewirbelt. Die Unfähigkeit der deutschen Parteien eine neue Regierung zu bilden, hat so einige illustre Begriffe und Abkürzungen hervorgebracht. Geprägt wurden sie vor allem durch einen Mann, FDP-Chef Christian Lindner.

 

Wir haben für Sie unsere Top 3 der Politik-Neuschöpfungen des Jahres ausgewählt.

1. Rumlindnern:

Wer hätte das gedacht, ein FDP-Politiker wird zur Verb-Vorlage? Vom Duden wurde das Verb zwar nicht offiziell anerkannt, dafür sorgte es aber in den sozialen Netzwerken für eine Hashtag-Welle. Hintergrund waren die wochenlangen, zähen Jamaika-Verhandlungen. CDU, CSU, Grüne und FDP versuchten vergeblich einen Konsens zu finden, um in Jamaika-Koalitionsverhandlungen zu gehen. Am finalen Abend trat FDP-Chef Christian Lindner als Erster vor die Presse und verlautbarte:  "Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren" und meinte damit die fehlende Übereinkunft in zahlreichen Kernthemen. Danach warf man ihm vor, lange vorher gewusst zu haben, dass die Jamaika-Koalition niemals in Kraft treten würde. Gute Miene zum falschen Spiel also oder einfach "rumlindern". Hält Sie künftig ein Freund die ganze Woche wegen eines Kinobesuchs hin, gibt Ihnen das Gefühl der Abend klappt und sagt Ihnen dann kurz vor knapp: "Och nö, doch nicht!" Dann können Sie ihm "Rumlindnern" par excellence vorwerfen. "Die Partei" geht sogar noch einen Schritt weiter und konjugiert das neue Verb fröhlich durch: "Ich lindner. Du lindnerst. Er/Sie/Es lindnert" und liefert eine Definition: "Jemanden kurz vor dem Ziel im Stich lassen, dafür fadenscheinige Gründe vortragen und sich abends einen auf seine eigene Skrupellosigkeit schleudern." Harte Worte, aber erfrischender Stoff für die deutsche Sprachlandschaft.

 

2. Jamaika-Aus:

Was hätten wir uns nur ohne Christian Lindner gelangweilt in diesem Jahr? Dann hätte auch die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) (https://gfds.de/) nicht ihr Wort des Jahres küren können, das da lautet: "Jamaika-Aus". Jamaika weist auf die Farben der Landesflagge hin, also Schwarz-Gelb-Grün, entsprechend der möglichen Koalition zwischen CDU, CSU, FDP und Grüne, und das Aus bezeichnet das Ende der Verhandlungen zu einer Jamaika-Koalition. Der Begriff stehe nicht nur für die schwierige Regierungsbildung, sondern sei auch sprachlich interessant, so die Erklärung der GfdS in Wiesbaden: "Nicht nur hat der Landesname Jamaika eine neue Bedeutung angenommen, sondern auch die Aussprache wurde eingedeutscht […] Mit der Substantivierung das Aus wird umgangssprachlich auf das Ende, das Scheitern von etwas verwiesen; die Zusammensetzung Jamaika-Aus bringt somit prägnant den komplexen Sachverhalt ›Abbruch der Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Koalition‹ zum Ausdruck."

Die Medien waren vom Jamaika-Aus nicht begeistert – zumindest nicht von der Wahl der Gesellschaft für deutsche Sprache. So schreibt die Süddeutsche Zeitung:""Jamaika-Aus" als Wort des Jahres zu wählen, ist feige", denn politisch brisantere Begriffe wie die "Ehe für alle" und die Sexismus-Debatte um den Hashtag "#metoo" schafften es lediglich auf Platz zwei und drei.

 

3. Koko:

Nachdem das Jamaika-Aus bereits zum Wort des Jahres gekürt wurde, hier nun unser Vorschlag für das Unwort 2017: Die Koko – die Kooperationskoalition. Aber was genau ist das bitte? Ganz einfach, die SPD will keine GroKo und pocht deshalb auf ein neues Modell. Will heißen: CDU, CSU und SPD würden sich auf ein paar Kernpunkte beschränken, an deren Umsetzung sie während der Legislaturperiode arbeiten. Strittige Themen würden ausgespart und die Parteien müssten dann jeweils im Bundestag auf Mehrheitssuche gehen. Ganz einfach also…und dank des Erfindungsreichtums der Deutschen gibt es jetzt nicht nur eine Parkraumbewirtschaftungszone oder eine Entlassungsproduktivität, sondern auch eine Kooperationskoalition.

So und jetzt, wo die Verhältnisse klar sind, versuchen Sie mal, Kooperationskoalition drei Mal hintereinander zu sagen! Na, hat’s geklappt? Wenn nicht, einfach fleißig weiter üben! Und haben Sie schon mal versucht Koko zu googlen? Nein? Dann mal los, denn Koko ist nicht nur hoch politisch, sondern auch ziemlich haarig. Eine Gorilladame aus San Francisco trägt nämlich den gleichen klangvollen Namen. Da bleibt nur zu hoffen, dass sich die deutsche Regierung mit ihrer Koko nicht zum Affen macht!

 

So und nun zum Schluss haben wir auch noch einen Vorschlag: Wie wär’s denn noch mit NoKo – für den Fall der Fälle, dass sich am Ende niemand auf eine Koalition einigen kann!

Zuletzt geändert am 14. Dezember 2017