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Griechische Schulden: 320 Milliarden Euro in 40 Jahren

Länder: Griechenland

Tags: Schuldenkrise, Europäische Union, IWF

Am heutigen Freitag hat der Bundestag in Berlin mit einer großen Mehrheit die Verlängerung des Hilfspakets für Griechenland gebilligt. Bereits am Dienstag hat die Eurogruppe einer Verlängerung bis Ende Juni zugestimmt. Die Finanzminister der Eurozone hatten die Reformliste der Regierung von Alexis Tsipras abgesegnet, die sie im Gegenzug nun umsetzen muss. Ein Blick auf unsere Infografik zeigt: Die Phase der Schuldenrückzahlung für Griechenland wird lang, sehr lang sein.

Die Summe ist enorm: der Internationale Währungsfonds, der weltweit für ein finanzielles Gleichgewicht sorgt, schätzt die Staatsschulden Griechenlands auf 320 Milliarden Euro. 2005 lag die Summe noch bei 195 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 61 % innerhalb von 10 Jahren. Die Schulden entsprechen rund 175 % des Bruttoinlandsprodukts von Griechenland – ein Rekord im europäischen Vergleich.

Die Verschuldung anderer Eurozone-Länder im Vergleichin Italien stellt sie 132 % des BIP, in Portugal 129 % (neben Griechenland die beiden anderen Länder, die Hilfen erhalten); 93 % in Frankreich und 78 % in Deutschland.

Größter Geldgeber Griechenlands ist nach wie vor der Europäische Stabilitätsfonds, der mehr als die Hälfte der griechischen Schulden hält. Das 2010 geschaffene Organ soll Ländern der Eurozone aus finanziellen Schwierigkeiten helfen. Bis heute hat Griechenland vom Europäischen Stabilitätsfonds in mehreren Etappen 144 Milliarden Euro erhalten. Dieses Geld wurde zum Teil von den Märkten bezogen, zu Teil leisteten die Länder der Eurozone, je nach wirtschaftlicher Lage, Hilfszahlungen in entsprechender Höhe.

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So hat Deutschland zum Beispiel 41 Milliarden Euro aufgewendet, Frankreich 30 Milliarden Euro. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die beiden Länder bereits jeweils 15 und 11 Milliarden Euro in Form eines ersten Hilfspakets an Griechenland gezahlt haben. In der Gesamtsumme haben die 19 Länder der Eurozone fast 53 Milliarden Euro in Form von bilateralen Darlehen gezahlt.

Die Europäische Zentralbank, die für eine einheitliche Währung und die Preisstabilität in der EU zuständig ist, kauft seit 2010 griechische Staatsanleihen und stellt damit heute etwas mehr als 27 Milliarden der griechischen Schulden. Ein wenig mehr noch zahlt der Internationale Währungsfonds mit 36 Milliarden Euro. Die restlichen Schulden werden von Akteuren der Märkte, allen voran den Banken, gestellt.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016