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Griechische Banken wieder geöffnet

Länder: Griechenland

Tags: Schuldenkrise, Währungskrise, Schuldenabbau, Sparmaßnahmen

Nach drei Wochen Schließung haben in Griechenland die Banken wieder geöffnet. Zudem scheint die griechische Regierung ihre Ankündigung wahrzumachen, die an diesem 20. Juli fälligen Schulden an die Europäische Zentralbank (EZB) und an die griechische Notenbank zurückzuzahlen. Auch will Athen eine seit Ende Juni ausstehende Schuldentranche an den Internationalen Währungsfonds (IWF) überweisen. Zugleich gilt seit diesem Montag ein erhöhter Mehrwertsteuersatz von 23 Prozent auf Produkte und Dienstleistungen.

Schon am frühen Morgen bildeten sich vor den wiedergeöffneten Filialen der griechischen Geldhäuser lange Schlangen. Weiterhin dürfen Bankkunden nur höchstens 60 Euro am Tag abheben. Dies gilt nach Angaben der Bankenunion sowohl am Schalter als auch am Automaten. Wer bis Freitag kein Geld abhebt, darf dann auch gebündelt 300 Euro vom Konto nehmen. Ab kommender Woche soll sich dieser Betrag auf 420 Euro erhöhen. Vermögende Kunden erhalten seit diesem Montag auch wieder ohne Kontrollen Zugang zu ihren Bank-Safes. Die Europäische Zentralbank hatte zuvor die Nothilfen für die griechischen Banken um 900 Millionen Euro erhöht.

 

Athens Schuldendienst

Unterdessen hat die griechische Regierung nach Medienangaben, die sich auf Informationen aus dem Finanzministerium berufen, mit der Rückzahlung von Schulden an die EZB, die griechische Notenbank sowie den IWF begonnen. An diesem Montag werden zwei Tranchen an die Europäische Zentralbank in Höhe von insgesamt 4,2 Milliarden Euro fällig. An den Währungsfonds will Athen die seit dem 30. Juni ausstehende Summe von 2,05 Milliarden Euro zahlen. Der Notenbank des Landes zahlt die Regierung außerdem einen 500 Millionen Euro-Kredit zurück. Griechenland hatte vergangene Woche vom europäischen Rettungsfonds EFSM eine Brückenfinanzierung in Höhe von 7,16 Milliarden Euro erhalten, um dessen Zahlungsfähigkeit bis zur Einigung auf ein neues Hilfspaket zu gewährleisten. Die Verhandlungen über das geplante 86 Milliarden Euro schwere EFSM-Kreditpaket sollen noch in diesem Monat beginnen.

 

Höhere Mehrwertsteuer

Ebenfalls an diesem Montag ist eine Hauptforderung der Gläubiger an Griechenland in Kraft getreten: die Anhebung der Mehrwertsteuer von 13 auf 23 Prozent. Sie gilt für die meisten Produkte und Dienstleitungen. So verteuert sich nicht nur die oft zitierte und klischeebeladene Flasche Ouzo, sondern alle verarbeiteten Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Kaffee, Tee, Zucker, Mehl und Milchprodukte, aber auch Düngemittel, Shampoos und Toilettenpapier. Durch die höhere Mehrwertsteuer sollen 800 Millionen Euro zusätzlich in die griechische Steuerkasse gespült werden. Kritiker sehen in dem Schritt eine Verschärfung der Krise. Dadurch würde die ohnehin sehr schwache Konjunktur abgewürgt. Und: In die Tasche würde vor allem denjenigen gegriffen, denen es ohnehin an Geld zum Überleben mangelt.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016