|

Griechenland: Bauch zu vermieten

Länder: Frankreich, Griechenland

Tags: Leihmütter

Diese Woche ist Vox Pop in Griechenland unterwegs, dem zweiten Land in Europa, das Leihmutterschaften legalisiert hat.

Jede Woche bietet Vox Pop die Möglichkeit, die Themen und Porträts der Sendung im Internet weiter zu vertiefen. Das Journalistenteam veröffentlicht an dieser Stelle Quellen und Dokumente, die für die Recherche verwendet wurden, sowie weiterführende Informationen. 
 

In Kalifornien hätte ich für eine Leihmutter 100 000 Euro zahlen müssen. Wenn alles gut geht, werden es hier gerade einmal 30 000 Euro sein“, freut sich eine österreichische Patientin, die sich bei Doktor Papanikolaou in Behandlung begeben hat. Seit der Legalisierung im Jahr 2002 gehört Leihmutterschaft zu den Standardleistungen der Klinik – wie andernorts in Griechenland auch. Eigentlich dürfen nur verheiratete oder in einer festen Partnerschaft lebende Frauen mit Wohnsitz in Griechenland von diesem Angebot Gebrauch machen. Hierfür sind der Nachweis ihrer Unfruchtbarkeit und ein Gerichtsentscheid erforderlich. In der Praxis jedoch kommen viele Paare aus Drittländern, in denen Leihmutterschaft verboten ist. Die Reportage „Un bébé pour 40 000 euros à trois heures de Paris“ (Ein Baby für 40 000 Euro, drei Flugstunden von Paris entfernt), die kürzlich im Blog The Parthenon Post veröffentlicht wurde, berichtet darüber, wie Ärzte, kinderlose Paare und Leihmütter die Gesetze umgehen.

 

Leihmutterschaft in acht EU-Ländern gestattet

Leihmutterschaft ist, trotz heftiger Kontroversen, in mehr als einem Dutzend Länder der Welt legal. Diese Situation hat zu einem wahren „Baby-Tourismus“ geführt, stellt die Kinder von Leihmüttern allerdings auch vor nicht unerhebliche administrative Probleme. Von den 28 EU-Mitgliedsstaaten gestatten acht unter verschiedenen Voraussetzungen die Inanspruchnahme von Leihmüttern: Griechenland natürlich, aber auch Belgien, die Niederlande, Irland, Rumänien, die Slowakei, das Vereinigte Königreich und Polen. Ganz zu schweigen von den beiden Ländern in unmittelbarer Nachbarschaft der EU, die Leihmutterschaften zulassen und daraus ein regelrechtes Geschäftsmodell entwickelt haben: Russland und der Ukraine.

 

Und in Frankreich? 

Ein Urteil des Kassationsgerichtshofs aus dem Jahr 1991 verbietet Leihmutterschaft in Frankreich. Es wurde durch das Bioethik-Gesetz 1994 bestätigt. Fünfzehn Jahre später, 2009, sprach der Staatsrat die Empfehlung aus, das Verbot der Leihmutterschaft in Frankreich aufrecht zu erhalten, schlug aber gleichzeitig vor, dass „die rechtliche Situation von Kindern, die im Ausland auf diese Weise gezeugt werden, geändert wird.“ Im Januar 2013 erging durch Justizministerin Christiane Taubira ein Runderlass, der es im Ausland durch Leihmutterschaft gezeugten Kindern erleichtern soll, eine Staatsangehörigkeitsurkunde zu erhalten. Von einer verbindlichen rechtlichen Regelung in Sachen Leihmutterschaft ist in dem Entwurf eines französischen Familiengesetzes allerdings nicht die Rede. Seine Verabschiedung wurde von der Nationalversammlung schon mehrmals vertagt.

 

Leihmütter per Mausklick?

Angesichts des Verbots der Leihmutterschaft begeben sich viele französische Paare im Internet auf die Suche. Ein paar Mausklicks genügen um festzustellen, welche Größenordnung das Angebot mittlerweile angenommen hat. So erweist sich die Seite SurrogateFinder.com als regelrechte Leihmutter-Suchmaschine, auf der die Profile potenzieller Leihmütter nach Alter, Nationalität, Preis und Gesundheitszustand sortiert werden können. Andere Webseiten wie die der US-amerikanischen Agentur Extraordinary Conceptions bringen französische Paare mit Leihmüttern aus Kanada oder den USA zusammen, wo Leihmutterschaft legal ist. Die Agentur, die einigen UMP-Abgeordneten ein Dorn im Auge ist, verlangt für ihre Dienste 45 000 Euro und führt nach eigenen Angaben mehr als 2 100 Eizellenspenderinnen „unterschiedlicher ethnischer Herkunft, Physiognomien und Kulturen“ in ihrer Kartei.

 

Manuel Vicuña

ZURÜCK ZUR STARTSEITE VON VOX POP

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuletzt geändert am 9. Oktober 2017