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Grexit? Fragen und Antworten

Länder: Griechenland

Tags: Schuldenstreit, IWF, Eurozone, Bank

Mit dem vorzeitigen Abbruch der Verhandlungen hat das Grexit-Szenario an Wahrscheinlichkeit gewonnen. Wie geht es jetzt weiter mit Griechenland? Das ist derzeit die 1 Millionen-Euro-Frage. Nachdem die Verhandlungen mit den Geldgebern vorerst gescheitert sind, bleiben die griechischen Banken für sechs Tage geschlossen, auch die Börse ruht bis zum geplanten Referendum kommendes Wochende. Droht nun tatsächlich der Grexit? Hat sich Premier Tsipras verzockt? Wie die Griechen auf die Schließung der Banken reagieren, zeigt Damien Wanner mit einem Stimmungsbild aus Athen.

Grèce : à guichets fermés

 

Wie sehen nun die nächsten Schritte aus? Welches sind die möglichen Auswirkungen eines Staatsbankrotts? Droht am Ende gar ein Domino-Effekt in anderen EU-Staaten? Fünf Fragen, fünf Antworten.

 
Was passiert, wenn Athen am Dienstag die Kreditrate nicht an den IWF zurückzahlt?

Dann läuft automatisch ein mehrstufiges Mahnverfahren an. Der Fonds wird dann keine Gelder aus seinem Hilfsprogramm mehr an Griechenland vergeben. Spätestens nach einem Monat müsste IWF-Chefin Lagarde das Exekutivdirektorium einberufen. Nach drei weiteren Monaten könnten  frühestens Sanktionen wegen Zahlungsunfähigkeit verhängt werden.

Welche Konsequenzen hätte dies für andere Bereiche?

Der Euro-Rettungsfonds EFSF hätte dann die Möglichkeit, alle an Griechenland gegebenen Hilfen zurückzufordern – bisher rund 131 Milliarden Euro. Er kann aber auch erst abwarten.

Wann genau kommt der Staatsbankrott?

Das kommt auf die Reaktion der Märkte auf die IWF-Entscheidung an. Ratingagenturen stellen in der Regel den Staatsbankrott erst dann fest, wenn ein Land auch Forderungen der privaten Gläubiger nicht mehr bedienen kann. Die griechische Regierung hat ihrerseits die Möglichkeit, sich für insolvent zu erklären – wenn sie Löhne und Gehälter nicht mehr begleichen kann.

Wie funktioniert ein Euro-Austritt?

Ein freiwilliger Austritt eines Mitglieds der Eurozone ist nicht vorgesehen. Rechtlich möglich wäre das Verlassen der EU – damit wäre Griechenland auch aus dem Euro ausgetreten. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich die griechische Regierung und die Euro-Staaten vertraglich auf ein anderes Verfahren einigen.

Droht ein Domino-Effekt in anderen EU-Staaten?

Die Gefahr wird von Politik und Finanzkreisen deutlich geringer bewertet als noch vor ein paar Jahren. Grund ist der Rettungsschirm, den die Europäer inzwischen aufgebaut haben. Damit kann in Bedrängnis geratenen Staaten mit bis zu 500 Milliarden Euro geholfen werden. Zudem haben sich andere Krisenstaaten, wie Irland, Spanien du Portugal inzwischen erholt und ihre Rettungsprogramme beendet. Und, schliesslich, haben Europas Banken mittlerweile kaum noch bedeutende Engagements in Griechenland.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016