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Glücksspielsucht auf dem Vormarsch?

Länder: Italien

Tags: Glücksspiel, Sucht

Seit der Liberalisierung des Glücksspiels in Italien 2011 hat sich die Zahl der Spielsüchtigen dramatisch erhöht. Mittlerweile gelten fast 300 000 Italiener als spielsüchtig – eine Entwicklung, die die zuständigen Behörden in ganz Europa alarmiert.

 

Immer mehr Menschen in Europa fallen der Glücksspielsucht, der krankhaften Abhängigkeit von Glücksspielen, zum Opfer. In Italien fürchtet man mindestens so schwerwiegende Auswirkungen wie bei der Drogen- oder Alkoholsucht, wenn nicht sogar schlimmere. Und das nicht ohne Grund: In Italien wird so viel gezockt wie in kaum einem anderen Land der Welt. Jahr für Jahr geben die Italiener mehr als 80 Milliarden Euro für Glücksspiele aus. Eine Freizeitgestaltung, die nicht selten zur Abhängigkeit führt. Und nicht nur in Italien Besorgnis erregt: 2011 bezifferte das French Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (OFDT) die Zahl der „zwanghaften“ Spieler in Frankreich auf 600 000, was 1,3 % der Bevölkerung entspricht. Damit liegen die Franzosen zwar deutlich hinter den USA und Australien (5 %) und knapp hinter Italien, Kanada, Belgien und Großbritannien (2 %) aber weit vor Deutschland (0,6 %). Jeder vierte Franzose soll fast 2 000 Euro jährlich in Glücksspiele investieren. In der Schweiz sollen ca. 60 % der unter 15-jährigen schon Erfahrungen mit Glücksspiel gesammelt haben.  

 

Dramatische Auswirkungen

Der „typische Spieler“ ist Studien zufolge männlich, ledig und verfügt nur über ein geringes Einkommen. Er bevorzugt Lotteriespiele, Rubbellose und Sportwetten. Die Leidenschaft für diese Spiele hat oft dramatische Auswirkungen, die vom Verlust des Arbeitsplatzes über Vereinsamung und Depressionen bis hin zu Selbstmord reichen. Die Clinique de la dépendance pathologique bietet zum Beispiel einen Test an (auf Französisch), bei dem jeder für sich selbst herausfinden kann, inwieweit er bereits suchtgefährdet ist. Zwei Wissenschaftler aus Mailand haben im vergangenen Sommer eine Art Fortbildung für Zocker ins Leben gerufen. Die gefährdeten Personen sollen mithilfe der Mathematik und der Wahrscheinlichkeitsrechnung besser verstehen lernen, welche psychologischen Mechanismen hinter ihrer Spielsucht stecken und sie in einen Teufelskreis ziehen.  Eine ungewöhnliche Methode, um Spielsucht vorzubeugen.

 

Engmaschigere Kontrolle?

Im vergangenen April in Brüssel hat die Europäische Kommission die EU-Mitgliedsstaaten zur Umsetzung entsprechender Empfehlungen aufgefordert. Online-Spieleportale sollen ihre Nutzer auf einer Seite ihrer Plattform über die Suchtrisiken im Zusammenhang mit Glücksspiel aufklären. Die EU-Kommission forderte bei dieser Gelegenheit die Mitgliedsstaaten auf, den Zugang Minderjähriger zu Online-Spieleportalen engmaschiger zu kontrollieren, insbesondere durch die Verpflichtung zur Einrichtung eines Benutzerkontos. Eine weitere Empfehlung: Die Seiten sollen Höchsteinsätze festlegen und Telefonhotlines einrichten, an die sich die Spieler wenden können. 

Céline Peschard

 

Zuletzt geändert am 17. Januar 2017