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Gewalteskalation in der Ukraine

Länder: Ukraine

Tags: Odessa, Slawjansk, Ausschreitungen, Prorussische Separatisten, Ukrainische Armee

Am Freitag und Samstag kam es im Süden und im Osten der Ukraine zu einer Gewalteskalation. Ukrainische Nationalisten und prorussische Separatisten lieferten sich in Slawjansk und Odessa blutige Auseinandersetzungen, bei denen mehr als 50 Menschen ums Leben kamen. Der Übergangspräsident Oleksander Turtschinow hat eine zweitägige Staatstrauer zum Gedenken an die Opfer angeordnet.

Die Gewalt in der Ukraine breitet sich mittlerweile auch im Süden des Landes aus. Während es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Zusammstößen zwischen der ukrainischen Armee und den prorussischen Milizen in ostukrainischen Städten gekommen ist, liefern sich die Konfliktparteien nun auch im Süden erbitterte Kämpfe. Am Freitag Abend kam es in der südukrainischen Küstenstadt Odessa zu stundenlangen, blutigen Straßenschlachten. Dutzende Menschen wurden dabei getötet.  

 

 

Gewerkschaftsgebäude in Flammen

Die ukrainischen Nationalisten zündeten mit Molotowcocktails ein Gewerkschaftsgebäude an, in dem sich moskautreue Kräfte verschanzt

46

Tote und 600 Verletzte in Odessa

 

hatten. Um sich vor den Flammen zu retten, sprangen einige Menschen aus dem Fenster und kamen dabei ums Leben. Andere starben an den Folgen einer Rauchvergiftung. Insgesamt rechnen Behörden mit rund 46 Toten und 600 Verletzten allein in Odessa. Die Polizei von Odessa hat bereits mitgeteilt, dass sie 130 Personen festgenommen hat, die für die Tragödie verantwortlich seien.

 

Moskau hält Kiew für schuldig

Der Kreml gibt Kiew die Hauptschuld an den Ereignissen in der Küstenstadt. „Die Hände der Führung in Kiew steckten bis zum Ellbogen in Blut“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut der Agentur Interfax. Er bezeichnete die für den 25. Mai angekündigte Präsidentenwahl in der Ukraine als „absurd angesichts der Gewalt im Land“. Außerdem erhalte Russland „tausende Hilferufe“ aus dem Osten des Landes. „Es ist der Schrei der Verzweiflung und die Bitte um Hilfe. Noch wissen wir nicht, wie wir reagieren werden“, sagte Peskow.

 

Staatstrauer in der Ukraine

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow will „die Schuldigen für die Organisation und Provokation dieser Ereignisse bestrafen“. „Wir müssen die richtigen Schlüsse aus dieser Tragödie ziehen, die allem Anschein nach wegen einer ausländischen Provokation passiert ist." Nun hat er zweitägige Staatstrauer angeordnet: „Der 2. Mai war ein tragischer Tag für die Ukraine.“

 

„Die Katastrophe von Odessa hat die Gefahr des Ausnahmezustands näher rücken lassen.“

Serkali Nedeli, Kiewer Zeitung

In Berlin betont Außenminister Frank-Walter Steinmeier, die Tragödie von Odessa müsse ein „Weckruf“ sein. Die Kiewer Zeitung „Serkali Nedeli“ schreibt über die Ereignisse: „Die Katastrophe von Odessa hat die Gefahr des Ausnahmezustands näher rücken lassen.“

 

Die Situation in der Ostukraine spitzt sich zu

Einen Tag nach den Gefechten in Odessa überschlagen sich auch die Ereignisse im Osten der Ukraine. Aus verschiedenen Städten werden schwere Kämpfe gemeldet. Am Freitag begannen Sicherheitskräfte in der Rebellenhochburg Slawjansk eine Offensive. Neun Menschen kamen dabei ums Leben. Zwei Piloten starben nachdem ihre Militärhubschrauber abgeschossen wurden.

 

Anti-Terror-Einsatz geht weiter

Immer noch halten in zahlreichen Städten prorussische Separatisten Polizeiwachen und Regierungsgebäude besetzt. Die ukrainische Regierung setzt deshalb ihren Anti-Terror-Einsatz gegen die prorussischen Kräfte weiter fort. Angeblich haben sie am heutigen Samstag einen Einsatz gegen Aufständische nahe der Stadt Kramatorsk gestartet.

 

OSZE-Geiseln sind frei

Inmitten der Gewalteskalation gab es dann doch noch eine gute Nachricht, denn die OSZE-Militärbeobachter, die seit dem 25. April in Geiselhaft waren, sind wieder frei.  Insgesamt acht Tage befand sich das zwölfköpfige Team, darunter vier Deutsche, in der Gewalt seiner Entführer. Die Milizen hatten einen Austausch mit inhaftierten Gesinnungsgenossen gefordert, doch dazu ist es bis zuletzt nicht gekommen. Nun sind sie einem russischen Sondergesandten übergeben worden und kamen dann in die Obhut der OSZE sowie des Unterstützerteams der Bundesregierung. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, sie „sei ausgesprochen glücklich“, dass das Team unversehrt frei sei.  Die deutsche OSZE-Mitarbeiter soll noch am Samstag Abend in Berlin eintreffen.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016