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Geschichte des Hackens

Länder: Welt

Tags: Hacking

Das Hacken hat in den 60er Jahren begonnen: ein Überblick von den Anfängen bis heute.

 

70er-Jahre: Das Zeitalter der Pioniere 

Zum ersten Mal tauchte der Begriff "Hacker" in den 1960er-Jahren am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf. So nannte sich eine Gruppe von Studierenden, die Maschinenmodelle auseinander- und umbaute, um deren Leistung zu steigern. Heute bringt man den Begriff in erster Linie mit Cyberkriminalität in Verbindung, obwohl sich die Pioniere des Hackens einzig von Experimentierfreude leiten ließen und weder subversive noch rebellische Ziele verfolgten. Sie strebten einfach nur nach Innovation. Als "Vater des Hackens" gilt der amerikanische Amateurfunker John "Captain Crunch" Draper. Er fand 1969 heraus, dass die Spielzeugpfeife, die den Frühstücksflocken von Cap'n Crunch als Werbegeschenk beilag, einen Ton mit einer Frequenz von 2600 Hertz erzeugt. Diese Tonfrequenz wurde damals im Telefonnetz von AT&T verwendet, um Ferngespräche freizuschalten. Pfiff er mit der Spielzeugpfeife in den Telefonhörer, konnte er kostenlos Inlands- und sogar Auslandsgespräche führen. Diesen Trick taufte Draper "Phreaking", eine Wortkombination aus phone (Telefon) und freak (Außenseiter). Erst später sprach auch er von Hacken. Captain Crunchs Heldentaten bewegten eine neue Generation informatikbegeisterter Bastler dazu, den Homebrew Computer Club zu gründen. Die Mitglieder bauten einen der ersten Personalcomputer, den Alter 8800, um und entwickelten ihn weiter. Unter ihnen waren auch Steve Wozniak und Steve Jobs, die 1976 Apple gründeten.

 

80er-Jahre treten aus dem Schatten 

Die breite Öffentlichkeit entdeckte die Hacker 1983. Der damals gerade erst siebzehnjährige Kevin Poulsen drang in den Internet-Vorläufer ARPAnet ein, das damals der Armee, den großen Universitäten und den Unternehmen vorbehaltene Netz. Im gleichen Jahr kam der Science-Fiction-Film "Wargames - Kriegsspiele" von John Badham in die Kinos. Der Spielfilm handelt von den Abenteuern eines jungen Hackers, der zufällig auf das Datensystem des amerikanischen Militärs zugreift und beinahe einen weltweiten thermonuklearen Krieg auslöst. Die Öffentlichkeit erhielt durch diesen Film zum ersten Mal einen Einblick in die fantastische Welt der Hacker. In den 80er-Jahren tauchten auch die ersten Computerviren auf. 1988 verbreitete sich der Computerwurm Morris über das ARPAnet auf ungefähr 6.000 Computern. Sein Erfinder, Robert Tappan Morris, wurde zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 10.000 Dollar verurteilt. Von diesem Zeitpunkt an wurden Hacker im besten Fall als verantwortungslose Jugendliche, im schlimmsten Fall als potenziell gefährliche Verbrecher angesehen.

 

90er-Jahre: Die Dunklen Seiten des Hackens 

Mit der Entstehung des Internets glitten einige Hacker in die Cyberkriminalität ab, und die Hackergemeinschaft spaltete sich. Auf der einen Seite stehen auch heute noch die "Black-Hats", die meist aus kriminellen Gründen hacken, und auf der anderen die "White-Hats", die keine bösen Absichten verfolgen und vor allem auf Lücken im Sicherheitssystem hinweisen wollen. Zwei wichtige Strafverfolgungen prägten die 90er-Jahre. 1994 hackte sich der russische Mathematiker Vladimir Levin in das internationale Bankennetz SWIFT ein und machte die Citybank um 10 Millionen Dollar ärmer. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. 1995 wurde Kevin Mitnick vom FBI verhaftet. Er war seit 1989 auf der Flucht und mehrer Software-Diebstähle sowie des Eindringens in geschützte Systeme angeklagt. Der Schaden wurde auf über 80 Millionen Dollar geschätzt. Mitnick wurde zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und damit zur damals härtesten Strafe für Datenmissbrauch überhaupt. Nach seiner Entlassung wurde ihm der Zugang zu Telefonen, Computern und Datennetzen verboten.

 

2000er-Jahre: Cracker und Hacktivismus 

Der Beginn des 21. Jahrhunderts ist weiterhin stark von der Cyberkriminalität geprägt. Doch durch mehrere Initiativen gelang es den Hackern, ihr Image aufzupolieren. Die entdeckungsfreudigen Bastler versuchten erneut, die Grenzen der Technologie zu überschreiten oder wenigstens die von den Industriellen aufgebauten Hindernisse zu überwinden (Cracking). 2001 gelang es Jon Johansen alias "DVD Jon", den DVD-Schutz zu umgehen und Filme zu kopieren. 2007 glückte George Francis Hotz der iPhone-Jailbreak zur Entsperrung des Geräts für die Software von anderen Anbietern als Apple. Ein weiterer starker Trend war die Entstehung von Aktivistengruppen, die Hacker-Techniken für ihre militanten politischen Zwecke nutzen. Ein Beispiel ist die heftig umstrittene Webseite WikiLeaks, auf der geheime Informationen veröffentlicht werden, ohne dass deren Quelle angegeben wird. Einer der Gründer ist Julian Assange, der früher unter dem Pseudonym "Mendax" in der Hackergruppe „International Subversives“ tätig war. Diese Form des Hackens knüpft an den Bastlergeist der Pioniere an und verbindet diesen mit einem ideologischen Ziel. Damit macht man sich aber nicht nur viele neue Freunde, sondern auch viele neue Feinde.

 

Die Mitglieder der Hacker-Familie:

 

>> Ein Black-Hat: hackt sich mit der Absicht, Schaden anzurichten, in Datensysteme ein. Er hat teilweise kriminelle Absichten.
>> Ein White-Hat: richtet nur begrenzten Schaden an. Sein Hauptziel ist, die Verantwortlichen auf Sicherheitslücken im System aufmerksam zu machen.
>> Ein Grey-Hat: kann sowohl zur Verbesserung der Systemsicherheit beitragen als auch schwerwiegende Schäden anrichten.
>> Script Kiddies: hacken nur zu Zwecken der Angeberei. Sie haben kaum technische Kompetenzen und bedienen sich der Tools anderer. Von den Puristen werden sie nicht zu den Hackern gezählt.
>> Hacktivisten: setzen ihr technisches Wissen für einen politischen Zweck ein und verändern zum Beispiel eine Homepage so, dass darauf die Machenschaften des Homepage-Besitzers angeprangert werden.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016