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Generika - Absprachen mit Konsequenzen

Länder: Frankreich

Tags: Generika

Diese Woche beleuchtet Vox Pop, was sich hinter den Kulissen der Pharmaindustrie abspielt – insbesondere die illegalen Absprachen der Medikamentenhersteller, mit denen sie die Markteinführung preisgünstiger Generika zu verhindern suchen.

Noch immer entzweien Generika die Gemüter: Während ihr Gebrauch in einigen Ländern wie Deutschland, dem Vereinigten Königreich oder den USA mittlerweile zum Alltag gehört, stellen sie in anderen Ländern wie Frankreich nicht einmal ein Viertel der in der Apotheke verkauften Arzneimittel. Und das nicht ohne Grund: Ärzte verschreiben sie nur zögerlich und auch seitens der Patienten gibt es Vorbehalte.

 

Was wissen wir wirklich über Generika? 

 

Sind sie wirklich so sicher, so wirksam und dabei auch noch günstiger als ‚klassische‘ Arzneimittel?“, bringt die französische Zeitschrift L'Express die Diskussion auf den Punkt und führt aus, dass die Wissenschaft sich diesbezüglich keineswegs einig ist. Eines steht allerdings fest: Selbst wenn das Nachahmermedikament den gleichen Wirkstoff enthält wie das Originalpräparat und es in gleicher Weise wirkt, handelt es sich dabei nicht zwangsläufig um eine identische Kopie, denn Verpackung, Darreichungsform (Dragee, Tablette usw.) sowie Füll- und Hilfsstoffe (Substanzen, die dem Medikament zugefügt werden, um ihm eine bestimmte Beschaffenheit zu geben und seine Einnahme zu erleichtern) können sich stark unterscheiden und sich auf seine Verträglichkeit auswirken. Dennoch urteilt die unabhängige französische Ärztezeitschrift Prescrire im Interview mit Vox Pop (siehe Video unten): „Es gibt keinerlei Nachweis dafür, dass Generika im Allgemeinen von minderer Qualität sind als die Originalpräparate.“ 

 

Pharmahersteller am Zug

 

Dank ihrer geringeren Kosten bei gleicher Wirksamkeit sind Generika gegenüber den klassischen Medikamenten eine ernstzunehmende Konkurrenz. Das haben auch die großen Pharmahersteller verstanden. In einem Themenschwerpunkt berichtet die französische Tageszeitung Le Figaro über Strategien, mit deren Hilfe die Medikamentenhersteller die Markteinführung von Generika zu verhindern suchen: Mehrfachpatente auf Wirkstoffe, Gerichtsverfahren, Preissenkungen und vieles mehr. Den Pharmaunternehmen sind sämtliche Mittel recht, um dem Vormarsch der Generika Einhalt zu gebieten – selbst illegale. So verhängte die Europäische Kommission laut Die Welt im vergangenen Juli eine historisch hohe Geldstrafe gegen sechs Pharmakonzerne wegen Verstoßes gegen die EU-Kartellvorschriften und Verhinderung der Markteinführung preisgünstiger Generika ihrer Originalpräparate.

 

Verleumdungskampagnen

 

Im vergangenen April wiederum berichtete das Magazin Challenge über intensive Lobbying-Aktivitäten mehrere Pharmaunternehmen bei der französischen Regierung, um das Medikament Doliprane vor der Konkurrenz durch Nachahmermedikamente zu schützen. Das Ziel: Paracetamol sollte nicht auf die Liste der Wirkstoffe gesetzt werden, für die in der Apotheke systematisch Generika angeboten werden müssen.

Doch der Kampf der Pharmaindustrie wird auch mit den Mitteln der Kommunikation geführt. So beschäftigt sich Les Échos mit der Hetze vieler Pharmahersteller gegen Generika, die sich nach Auskunft der Tageszeitung zu einem wahren Volkssport auswächst.  Das führende Branchenfachblatt l'Usine nouvelle berichtet in diesem Zusammenhang, dass Sanofi im Mai 2013 für eine umfangreiche Verleumdungskampagne zur Rechenschaft gezogen wurde, bei der das Unternehmen die Generika eines seiner meistverkauften Produkte, des Blutgerinnungshemmers Plavix, in Misskredit gebracht hatte. 

Manuel Vicuña
Zuletzt geändert am 16. Januar 2017