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Geduldsspiel Auslandsadoption

Länder: Monde

Tags: Adoption, Geopolitik

 

Die grenzüberschreitende Adoption ist eng mit den Krisen in der Welt verbunden. Die Verfahren werden heute engmaschig betreut: Die Zahl der zur Adoption freigegebenen ausländischen Kinder hat sich dadurch drastisch verringert.

 

Im Gespräch gibt die Regisseurin Anne Georget über ihre originelle Herangehensweise an das Thema Auslandsadoption.

 

 

Warum haben Sie sich für die geopolitischen Aspekte der internationalen Adoption interessiert?

Anne Georget: Meist stehen das Warten der Eltern auf die Zusage und der ganze schmerzhafte Adoptionsprozess im Mittelpunkt. Ich dagegen wollte eine andere Seite des Problems beleuchten: Die Auslandsadoption ist fester Bestandteil der internationalen Politik und wird in hohem Maße von der internationalen Entwicklung beeinflusst. Das konnte  ich während der mehr als anderthalbjährigen Dreharbeiten beobachteten. Die Lage veränderte sich schlagartig, sobald in einem Land Konflikte ausbrachen oder Gesetze verändert wurden.

 

Adoption ist ein westliches Konzept und als solches vielerorts nur schwer nachvollziehbar. In zahlreichen Ländern ist es üblich, seine Kinder entfernten Verwandten oder Nachbarn anzuvertrauen

Anne Georget, Regisseurin 

Ihr Dokumentarfilm zeigt, dass Auslandsadoptionen schwierig werden. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?

Eine so hohe Anzahl wie in den 1980er-Jahren wird es nicht mehr geben, was positiv zu bewerten ist. Das Haager Adoptionsübereinkommen hat den Entgleisungen dieser Zeit, die natürlich nicht sämtliche Verfahrensweisen betrafen, einen Riegel vorgeschoben. Adoption ist ein westliches Konzept und als solches vielerorts nur schwer nachvollziehbar. In zahlreichen Ländern ist es üblich, seine Kinder entfernten Verwandten oder Nachbarn anzuvertrauen, aber immer nur übergangsweise. Diese ambivalente Situation wurde von unseriösen Vermittlern für ihre Zwecke ausgenutzt. Außerdem empfiehlt das Haager Übereinkommen, vorzugsweise Kinder aus dem eigenen Land zu adoptieren. Daher fahren Paare zum Adoptieren eines Kindes nur noch dann ins Ausland, wenn sie keine andere Möglichkeit mehr sehen. In den Ländern, in denen sich eine Mittelschicht herausbildet, geht die Anzahl der Auslandsadoptionen zurück. Das ist natürlich begrüßenswert, denn es bedeutet, dass dort das Lebensniveau steigt. In dieser Übergangsperiode besteht jedoch die Gefahr, dass viele Kinder aufgrund der Sperrung bestimmter Verfahrensweisen in Waisenhäusern dahinvegetieren. Das wäre die schlechteste Lösung.

 

Wie gehen westliche Familien mit diesen Hindernissen um?

Kinder zu bekommen ist generell eine große Herausforderung. Jetzt müssen sich die Familien zusätzlich fragen, ob sie fähig sein werden, für ein krankes Kind zu sorgen, oder mit einem älteren Kind zurechtzukommen, das von einer oft schmerzlichen Vergangenheit gezeichnet ist: Gesunde Babys werden heute ja vorrangig in ihren Heimatstaaten adoptiert. Weitere Komplikationen ergeben sich aus der Verlängerung der Wartezeiten. Woher soll man wissen, wie es in neun Jahren, der in China üblichen Zeitspanne bis zur Adoption eines Kindes, um ein heute adoptionswilliges und -fähiges Paar bestellt ist? Umso größere Bedeutung gewinnt die Vorbereitungsarbeit der Vermittlungsstellen, von denen die Familien auf diesem beschwerlichen Weg betreut werden.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016