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Fußballmeisterschaften in Europa

Länder: Portugal

Tags: UEFA, Fussball

Lohnt sich die Organisation von Fußballveranstaltungen für europäische Länder? Die ARTE-Korrespondenten haben sich mit diesem Thema befasst.

Portugal

In die EM 2004 hat Portugal 650 Millionen Euro investiert, die vor allem in die Renovierung und den Bau von Fußballstadien geflossen sind. Doch die Gesamtrechnung fiel mit mehr als einer Milliarde Euro wesentlich höher aus als erwartet. Obwohl sich die Kommunen für ihren Bau stark verschuldet haben, wird heute nur die Hälfte der damals errichteten Sportstätten genutzt. Der ehemalige Wirtschaftsminister Augusto Mateus hat daher vorgeschlagen, einige davon wieder einzureißen, um die Kosten zu minimieren. Im 94 Millionen teuren Stadion in Aveiro (30 000 Plätze) zum Beispiel, dessen Unterhalt jedes Jahr eine Million Euro verschlingt, haben während der EM 2004 lediglich zwei Spiele stattgefunden. Der erhoffte Tourismus-Boom in Portugal blieb aus, die Einnahmen in diesem Bereich sind während der Großveranstaltung lediglich um 0,08 % gestiegen.
 

Polen

Polen hat 26 Milliarden Euro in die Ausrichtung der EM 2012 investiert, 500 Millionen davon flossen allein in den Bau des Warschauer Stadions, für dessen Unterhalt das Land jedes Jahr 10 Millionen Euro zahlen muss.
Die EM 2012 hat den polnischen Staat, der 1,3 % des BIP auf die Veranstaltung verwendet hat, viel Geld gekostet– was ihm großes Lob seitens des europäischen Fußballverbands UEFA und den Zorn der EM-Gegner einbrachte.
Während des Turniers entstand sogar das Kollektiv „Brot statt Spiele“, das mit Graffitis die Verschwendung öffentlicher Gelder anprangerte.
Trotz des wirtschaftlichen Misserfolgs (nur 1,3 Milliarden Euro Einnahmen) und seit dem Wettbewerb leerer Stadien sind die meisten Polen weiterhin stolz darauf, die Fußball-Europameisterschaft in ihr Land geholt zu haben. Die UEFA lobte ein außergewöhnliches Turnier, das ihr 700 Millionen Euro (steuerfreier) Einnahmen eingebracht hat.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016